Konzilsblogteam

Damals wie heute: Unbequeme Konsenstexte

Der Streit um Worte ist im vollen Gange. Was sagt der Schlussbericht der gerade zu Ende gegangenen ersten Etappe der Familiensynode wirklich? Wer konnte sich durchsetzen? Wer stellte sich quer? Welches Gewicht und welche Bedeutung haben die Formulierungen? Wie begegnet man den heutigen Konsenstexten, die eher einen «consensus process» dokumentieren als den Abschluss einer Debatte?
«Ein Konzilstext ist nicht identisch mit dem Elaborat eines Wissenschaftlers. Eine Konzilsaussage hat eigentlich fast immer Konsenscharakter. So handelt es sich oft um Kompromisse, auch wenn es am Ende einmütige Abstimmungen waren. Dies muss kein Mangel lehramtlicher und besonders konziliarer Texte sein, sondern zeigt zunächst nur ihre Eigenart auf, die auch eine Stärke sein kann: Gerade deshalb brauchen aber Konzilstexte eine eigene Hermeneutik.» So beschreibt Karl Lehmann den Charakter der Konzilstexte. Die Gefahr der selektiven Steinbruchauswahl von «passenden» Zitaten ist ihm sehr bewusst. Gegen solche Vereindeutigungsversuche im Blick auf die Konzilstexte plädiert er dafür, ihren gewissermassen unterbestimmten Charakter anzunehmen: «Die innere Vielschichtigkeit zahlreicher Aussagen des Konzils muss den Primat behalten vor aller relativ wenig reflektierten Auswahl oder selektiven Wahrnehmung der Texte. Die eigentümliche Offenheit und Vieldimensionalität der Aussagen hat auch eine Potenzialität für künftige Auslegungen.»
(zit. aus: Karl Lehmann, in: Sonderheft «Zur Debatte» 3/2013, 2; ab)

25. Oktober 2014 | 00:04
von Konzilsblogteam
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