Markus Baumgartner

Coole Sounds mit starken Inhalten

Zwei Musikformationen landen Hits in der Schweizer Hitparade: Die Band «Adam’s Wedding» mit vier Theologiestudenten aus Hinwil im Zürcher Oberland gelang mit Folkmusik grosse Anerkennung. Und dem Studenten Joel Goldenberger aus Schmidrued AG ist mit 21 Jahren ein musikalischer Erfolg gelungen.

Bei der Band «Adam’s Wedding» hat die Pandemie das Bandleben lahmgelegt. Zwar hätten sich die fünf Bandmitglieder – mit genügend Abstand – treffen können. Doch Niklas Walder, Sänger und Gitarrist der Band, wurde vom Militär als Sanitäter eingezogen. Fünf Wochen verbrachte der 25-jährige Theologiestudent auf einer Notfallstation. «Privat kam es mir ungelegen, weil ich meine Masterarbeit fertig schreiben wollte», sagt Niklas Walder. Interessant sei der Einsatz aber gewesen. Er habe hautnah mitbekommen, was die Pandemie für Betroffene und das Personal im Gesundheitswesen bedeutete, berichtet «Radio SRF 2 Kultur» in der Sendung Perspektiven. 

Keine «Bibelwerfer-Band»

Die Geschichte von «Adam’s Wedding» begann in Hinwil im Zürcher Oberland. Die vier jungen Männer sind dort aufgewachsen und seit ihrer Kindheit befreundet. Die Gegend wird manchmal als «Bible Belt» bezeichnet und habe sie geprägt, sagt Pianist Christian Schaufelberger. «Wir sind in einem Umfeld aufgewachsen, in dem der Glaube gelebt wurde und eine wichtige Rolle gespielt hat.» Vier Mitglieder von «Adam’s Wedding» studieren Theologie, eine ist Hebamme. Alle sind sie gläubig. Ist «Adam’s Wedding» also eine christliche Band? Das sei so ein schillernder Begriff, sagt Niklas Walder: «Wir sind Christen, wir sind aber keine Gottesdienstband». Bandmitglied Christian Schaufelberger ergänzt: «Wir verstehen uns nicht als Missionsprojekt und werfen auch keine Bibeln ins Publikum.» Trotzdem, ihr Glaube spielt bei ihrer Musik eine Rolle. 

Bibel als Inspiration

«Schwungvoller Folk mit Tiefgang», titelte die Zeitung «Züriost» einen Artikel über die Band. Ihre EP «A Lover is a Fool» erreichte Platz 12 in den Schweizer Albumcharts und 1,2 Millionen Downloads auf Spotify. Den Newcomer Contest Emergenza 2018 absolvierten sie mit dem zweiten Platz national. Die Bibel inspiriert Christian Schaufelberger beim Liedertexten. Sie sei ein wunderbares Buch voller Poesie, das bereits Generationen von Poetinnen und Philosophen beeinflusst habe. Apropos Philosophie: Die Songtexte von «Adam’s Wedding» haben Tiefgang, sie werden oft als intellektuelle Folk-Pop-Band bezeichnet wie das YouTube-Video «Down On Earth» zeigt. Er sehe das als Kompliment, schmunzelt Sänger Niklas Walder. Sie seien auch privat nachdenkliche Personen, betont er: «Die Gedanken, die wir uns machen, verwandeln wir dann in Musik und Texte.»

Platz fünf in der Hitparade

Eigentlich wollte der Singer-/Songwriter Joel Goldenberger professioneller Sänger werden. Er singt seit Kindesbeinen, bekam während der Kantonsschule Gesangsunterricht und spielt seit drei Jahren in dem von Freikirchen mitunterstützten Musical «Life On Stage» mit, schreibt die «Aargauer Zeitung». Nun wird er an der pädagogischen Hochschule die Oberstufen-Lehrerausbildung beginnen. Ausserhalb des Klassenzimmers wurde ihm kürzlich ein Bombenerfolg beschert, der ihn ziemlich nahe an den Status «Profimusiker» bringt: Sein erstes Album «Come Back Home» landete umgehend auf Platz fünf der Schweizer Album-Charts. Auf dem Debutalbum singt der junge Ruedertaler nebst Popsongs mit schnellen Beats mehrere traurige Balladen mit Hoffnungsschimmer. Wie etwa «Come Back Home», das er für einen Freund geschrieben hat, der an Depressionen leidet. 2017 nahm er am Spitzenförderungsprogramm des Kantons Aargau teil

Weltliche Texte mit christlicher Botschaft

Eine christliche Message steckt in allen seinen Liedern, sagt er zur «Aargauer Zeitung»: «Aber man kann alle meine Texte auch weltlich sehen. Denn eigentlich möchte ich für alle Leute singen. Ich singe absichtlich nicht von Gott oder Jesus, damit man den Song für sich persönlich interpretieren kann». Joel Goldenbergers Produzent ist der Musiker Stefan Baumann, der das Jungtalent während der Zusammenarbeit für das Musical entdeckte. Auch professionelle Videos existieren bereits zu einigen Liedern, wie etwa zu «When We Meet Again», welches in Aarau gedreht wurde. Er singt alle auf Englisch, um ein breiteres Publikum zu erreichen und weil: «In meiner eigenen Sprache wären die Songs zu persönlich.» 

Bild pd
23. November 2020 | 21:30
von Markus Baumgartner
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