Konzilsblogteam

Congar unter Verdacht

Am 30. November 1962 kommt die Diskussion über das Schema De Ecclesiae unitate zum Ende. P. Yves Congar OP verlässt die Konzilsaula bereits gegen Mittag, weil er ein «Rendez-vous» mit Kardinal Ottaviani beim Heiligen Offizium hat. Er wird beschuldigt, in seinen Schriften einige Irrtümer zu vertreten, und hört Vorwürfe, seine Kritik an den Schemata sei zu negativ. Dabei werden ihm allerdings auch kritische Äusserungen vorgehalten, die er gar nicht vertreten hat. Ottaviani sagt ihm, da er nun einmal überwacht und verdächtigt werde, müsse er umso aufmerksamer sein und sich auf das authentische Lehramt beziehen. Während Ottaviani meint, Congar könne immerhin in der Theologischen Kommission frei sprechen, macht Congar eher die Erfahrung, dass seine theologische Kompetenz nicht gefragt wird. Zwischen Resignation und Bereitschaft formuliert er im Tagebuch: «Ich sehe, dass ich ein für alle mal und auf immer unter Verdacht stehe. Das wird mich nicht daran hindern zu arbeiten. Meine Arbeit missfällt ihnen, weil sie spüren, dass ihr Sinn darin besteht, Ideen wieder in den Austausch zu bringen, die sie seit 400 Jahren und vor allem seit 100 Jahren auszuschliessen versuchen. Aber das ist meine Berufung und mein Dienst, im Namen des Evangeliums und der Tradition» (Co 1,280).(emf)

30. November 2012 | 00:51
von Konzilsblogteam
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