«Churer Bischof hält sich nicht an das Kirchenrecht»
In einem KIPA-Artikel kommentiert mein lieber Journalistenkollege Urban Funk den Churer Konflikt. Seine Meinung scheint mir umso bemerkenswerter, da er keineswegs das Image eines «Progressisten» hat.
»Grosse Kluft»
Der Kirchenhistoriker und Redaktionsleiter der Schweizerischen Kirchenzeitung, Urban Fink, geht davon aus, dass die Menschen aus den gleichen Gründen wie zu Zeiten von Bischof Haas am Sonntag auf die Strasse gingen. Ihr Auftritt war ein Ausdruck von Unzufriedenheit unter anderem darüber, dass sie nicht angehört werden.
Es bestehe eine «grosse Kluft» zwischen dem Bischof von Chur einerseits und Klerus und Kirchenvolk andererseits. Die Situation im Bistum sei heute «schlimmer» als zu Zeiten von Bischof Haas. Diesem setzte der Vatikan 1993 zwei Bischöfe zur Seite, was die Lage beruhigte.
Der heutige Bischof verhalte sich mit seinem Umfeld «aggressiver». Die Medienarbeit des Churer «Hofes», wo Bischof Huonder residiert, nannte Fink besser als damals. Der Schweizer Kirchenbeobachter geht davon aus, dass die Bischofkongregation gut über die Situation informiert sei und die römischen Stellen «mit Besorgnis beobachten, was im Bistum Chur abläuft».
Keine konsequente Umsetzung des Kirchenrechts
Der «Hof» in Chur wolle der Kirche die «richtige Linie» vorgeben. Chur möchte etwa, dass Personen, die in «irregulärer Situation» leben, die Arme vor der Brust falten, wenn sie statt der Kommunion den Segen wünschen. Das ist eine «Möglichkeit», so Fink, die das Kirchenrecht aber nicht vorsehe. Der Bischof halte sich selber nicht immer an das Kirchenrecht, etwa bezüglich liturgischen Vorschriften. Er halte sich auch nicht an die bestehenden Kriterien für die Zulassung von Männern ins Priesterseminar.
Kirchenrechtlich wäre der Bischof angehalten, den Priesterrat regelmässig zu konsultieren. «Die von Chur verbreitete Auffassung, man halte sich streng an die Kirchenlehre und das Kirchenrecht, ist somit überrissen», sagte Fink und bedauerte gegenüber dem Sender, dass die von Papst Franziskus vorgelebte Offenheit am Churer «Hof» keine Entsprechung finde.
(Nun hoffe, mich wieder erfreulicheren Themen zuwenden zu können…)
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