Christkönigsfest: Was hat das «Reich Gottes mit uns zu tun?
Das Christ-Königs-Fest wurde erst 1925 eingeführt, keine zehn Jahre, nachdem im 1. Weltkrieg die König/Kaiserreiche von Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland untergegangen waren. Es ist ja selbstverständlich, dass die Kirche mit ihrem Fest keinen Ersatz für die abgesetzten Kaiser und Zaren schaffen wollte.
Es geht hier also nicht um Politik. Oder doch? Ist denn die Botschaft Jesu einfach eine Vertröstung auf ein besseres Jenseits? Oder hat sie nicht doch mit unserem diesseitigen, alltäglichen Leben zu tun?
Die katholischen Jugendlichen haben es in Deutschland zur Zeit der Naziherrschaft sehr gut begriffen, dass der Glaube etwas, ja sehr viel mit der Welt zu tun hat. Sie feierten das Christ-Königs-Fest laut und deutlich, um damit den Führerkult zu kritisieren. Sie zeigten damit: Nicht der Führer ist der mächtigste, absolute Herrscher der Welt. Es gibt noch einen viel grösseren Herrn der Welt, Jesus Christus.
Ebenso: Nicht das Dritte Reich ist das endgültige Reich. Sondern das Reich Gottes, das Jesus uns verheissen hat.
Leider hat die Kirche lange Zeit vergessen, was Jesus am Anfang seines öffentlichen Auftretens sozusagen in seiner Primizpredigt verheissen hat: «Das Reich Gottes ist nahe.» Später wird er predigen: «Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.»
Was ist das für ein Reich, das Jesus uns ankündigt; oder besser gesagt: das Reich, das durch das Wirken Jesu auf besondere Weise auf die Welt kommt? Es ist, um es mit dem Motto der berühmten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Basel im Jahr 1989 auszudrücken: Das Reich des Friedens in Gerechtigkeit.
Nochmals: Es geht hier nicht nur um eine Verheissung für eine jenseitige, ferne Zukunft. Wir beten ja im Vater-unser nicht: «Nimm uns einst auf in dein Reich.» Sondern: «Dein Reich komme.» Oder wie es in der alten Übersetzung geheissen hat: «Zu uns komme dein Reich.»
Ein Schriftsteller hat es schon vor 50 Jahren anschaulich und prägnant ausgedrückt: «Das Christentum ist keine Himmelfahrtsleiter, sondern das zu uns gekommene Reich Gottes.» (G. S. Huber)
(… dann zusammenfassend)
Viele meinen zwar, in unserer demokratischen Gesellschaft habe die Vorstellung von Christus als dem König kaum mehr Platz. Das Fest aber hat nach wie vor seinen Sinn, wenn wir uns auf den Weg machen, den Jesus uns vorangegangen ist:
-den Weg des Dienstes für einander, indem wir unsere Herzen füreinander öffnen
-den Weg des Friedens, indem wir ohne Gewalt friedlich miteinander umgehe.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


