Bruder Klaus in der Musik (I)
Der Obwaldner Eremit hat auch immer wieder Musiker inspiriert. Eine aktuelle Konzertreihe bietet Anlass, die wohl berühmteste Komposition hier kurz vorzustellen. Bezeichnend sind die Umstände seiner Entstehung.
Das «Institut neuchâtelois» bestellte beim einheimischen Schriftsteller Denis de Rougemont (1906–1985) ein Werk für die Landesausstellung 1939 in Zürich, die «Landi». Vor dem Hintergrund des Münchner Abkommens, das 1938 die Sudetenkrise nur scheinbar löste und die Angst vor einem erneuten Krieg in Europa eher schürte, wählte der Antifaschist und Protestant De Rougemont sein pazifistisches Thema: Bruder Klaus als Friedensvermittler von Stans und als Integrationsfigur der multikulturellen Schweiz. Er verlangte nach dem «Auslandschweizer» Arthur Honegger (1892–1955), ein inzwischen in Paris arrivierter Komponist im Umkreis von Jean Cocteau und Eric Satie als Mitglied der Groupe des Six. Der Protestant Honegger hatte 1921 schon mit einem spirituellen Stoff auf sich aufmerksam gemacht («Le roi David»). Sein Oratorium «Jeanne d’Arc au bûcher» von 1938 sollte während des Krieges in den unbesetzten Städten Frankreichs zu einer Art von nationalem Symbolwerk werden. Die «Légende dramatique Nicolas de Flue» nun konnte infolge der Mobilmachung nicht mehr an der «Landi» uraufgeführt werden. 1940 wurde dies in Solothurn (konzertant) und im folgenden Jahr in Neuenburg (szenisch) nachgeholt werden, leider aber ohne den Komponisten, der im besetzten Paris festsass.
Das Oratorium ist bewusst in einem volksnahen «Festspiel»-Stil gehalten und verlangt als Instrumentierung bloss eine konventionelle Blasmusik-Formation. Ein Sprecher führt durch das Stück und dialogiert mit Chor und Kinderchor: eine ganze Dorfgemeinschaft sollte mitmachen können. Für die Pariser Aufführung 1952 schrieb Honegger die seither übliche Fassung für Sinfonieorchester.
Mit der Initiative zu den vier Aufführungen der Originalfassung ermöglicht es der Freiburger Dirigent Pascal Meyer vielen, dieses Werk in seiner heutigen Aktualität als einen dramatischen Aufruf zur Friedensförderung neu zu hören.
Fr. Peter Spichtig op
Aufführungen: 23. März 2017 in Montreux; 25. März 2017 in Fribourg; 26. März 2017 in Moutier; 4. April 2017 in Luzern (Osterfestspiele).
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