Brokeback mountain
Jörns ist nicht aufgehoben, nur kurz aufgeschoben …
Ang Lee hat uns hier einen ganz wunderbaren Film geschenkt; den Oscar für die beste Regie erhielt er mehr als zu Recht. Man hätte sich bei diesem Thema ja auf wunderschöne Körper konzentrieren können. Lee aber macht das Gegenteil, es sind die kurzen Blicke, Gesprächsfetzen, visuell und akustisch hingeworfene Kleinstgedanken, die uns Zusehende führen und zutiefst betroffen machen. Lees Film ist über dreissig Jahre nach Rosa von Praunheim die nun inzwischen auch im Mainstream knapp angekommene (den Oscar für den besten Film erhielt er aber nicht – sic!) Botschaft, dass nicht der Homosexuelle pervers ist, sondern die gesellschaftliche Situation, in der leben muss. Lees Film handelt von allen, den Opfern und den Tätern. Und häufig sind die Opfer ja auch Täter und umgekehrt. Die Pseudo-Ehefrauen, die sich Schwule zulegen müssen, um sich besser zu verstecken und den Erwartungen der Umwelt zu entsprechen. Töchter und Söhne, die aus solchen Beziehungen heranwachsen und das emotionale Elend zwischen Vater und Mutter spüren und auszuhalten haben. Eltern, die den Verlust (physischen oder psychischen) ihres Sohnes beklagen und nun im Alter allein dastehen, aber nicht das klärende Gespräch suchten, geschweige denn ihre Buben so erzogen haben, dass sie dem Leben gewachsen waren.Ich verstehe den Ärger und Zorn der Evangelikalen und Katholikalen über «Brokeback mountain». Ich verstehe und geniesse ihn! Denn dieser Film ist abgrundtief ehrlich, er hat nämlich keine einfachen Antworten parat ausser der einen: Solange gesellschaftlich derart diskriminierend gedacht, erzogen und gehandelt wird, solange die Kirchen und Religionen so tief in diese Diskriminierung involviert sind, solange gibt es weder Recht und Gerechtigkeit noch Möglichkeiten zu Versöhnung und Entschuldigung für alle Betroffenen. Ja, Ihr seid schuld, Ihr verlogenen Hüter der Moral, in welchen seltsamen Gedankensystemen Ihr Euch auch versteckt habt! Das war die Botschaft von Rosa von Praunheim, das ist die Botschaft von Ang Lee. Und wenn da Schwule zu Tode geprügelt werden und wurden, dann sind Leute wie George W. Bush oder die Verfasser der unglaublichen Schriften zum Thema im Vatikan direkt daran schuld.Darum: Gehen Sie «Brokeback mountain» schauen. Es ist die Geschichte einer grossen, wahren und reinen Liebe, einer Liebe zwischen zwei Männern wohlgemerkt, Ennis und Jack. Es ist aber auch die Geschichte, wie ihre Umwelt, ihre Eltern und Erzieher sowie die Hüter staatlicher und religiöser Moral, diese Liebe kaputt gemacht hatten, noch bevor sie eine Chance hatte, gelebt zu werden. Es ist ein wunderschöner und zutiefst deprimierender Film. Keine Ami-Hochglanzhülle ohne tiefen Gehalt, sondern ein ästhetisches und emtionales Masterpiece, das ganz tief unter die Haut geht und ganz fest wütend macht. Die Botschaft des Films zum Schluss: Träume sind es wert, nicht nur geträumt, sondern gelebt zu werden, wenn wir vor uns bestehen wollen. Dann tun wir es doch!
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