Brief an den Papst
Was B 16 tun könnte(Mein alter, aber nicht «wackliger» – Schluss des Beitrags – Freund Helmut Rohner schreibt an den Papst)Lieber Papst Benedikt!Dornbirn, Juni 2012Du bist schon recht alt und wackelig. Du möchtest sicher deine schwere, alleinige Letztverantwortung für eine Milliarde weltweit verstreuter Katholiken in jüngere Hände legen. Du hast sicher genug von dem unangenehmen Vorsitz einer verhaltensauffälligen Kurie.Du möchtest die Entweltlichung der Kirche und sicher auch des Vatikanstaates, um dich ganz geistlichen Dingen widmen zu können. Du möchtest in Pension gehen, um deiner eigentlichen Berufung und Liebe nachgehen zu können, nämlich hochintelligente theologische Bücher für die Gegenwart und die Nachwelt zu schreiben.Du sagtest schon bei deiner Wahl, du möchtest ein einfacher, bescheidener Arbeiter im Weinberg des Herrn sein.
Um das alles zu verwirklichen, könntest du Folgendes tun:
1. In Pension gehen und festlegen, dass in Zukunft alle Päpste mit 75 Jahren ihre schwere Last ablegen dürfen oder sie ihnen abgenommen wird. 2. Deine Nachfolger sollen von einer sorgfältig ausgewählten Delegation der Gesamtkirche für eine begrenzte Amtsdauer gewählt werden. 3. Bei Notwendigkeit dürfen sie auch wieder abgewählt werden. 4. Sie dürfen sich ihren Amtssitz in welchem Land und an welchem Ort auch immer aussuchen. 5. Alle engeren Mitarbeiter des jeweiligen Papstes verlieren ihr Amt mit der Pensionierung desselben. Der neue Papst kann sich ein neues Team von Mitarbeitern aussuchen. Das würde die Internationalität und die lebendige Beweglichkeit der Kirche ungemein fördern. 6. Der Vatikanstaat würde automatisch aufhören zu existieren. Damit könnte die Kirche die Kosten für die Schweizergarde, die Kardinäle, die Nuntien, die Kontrolleure der Ortskirchen und vieles andere mehr einsparen. 7. Die zukünftige Erhaltung der großen Schätze des Vatikans für die Menschheit müsste gewährleistet sein. Die Kirche könnte sich davon befreien und den Erlös für eine Weltpolitik gegen den Hunger und Aids einsetzen. 8. Um der Überlastung des Papstes zuvorzukommen, müssten ihm viele Aufgaben abgenommen werden und die Leitung der Kirche dezentralisiert und demokratisiert werden. Das II. Vatikanische Konzil hat diese Entwicklung angestoßen. Diese müsste weiter entwickelt werden. Bischofsynoden sind eigentlich keine Synoden, weil zu einer Synode VertreterInnen aller Schichten des Gottesvolkes gehören. Es sollte ständige Kontinental- und Nationalsynoden geben, die alles eigenständig regeln können, was in ihren Kräften liegt. Man nennt das das Subsidiaritätsprinzip, das die Kirche weltlichen Organisationen schon immer anempfohlen, aber selber noch nie verwirklicht hat. Alle 10-15 Jahre sollte ein Konzil für das «Aggiornamento» der Kirche einberufen werden.
Lieber Papst Benedikt, dieser letzte Punkt steht nicht mehr in deinen Möglichkeiten. Das wäre gegen dein Gewissen und gegen dein Verständnis des letzten Konzils. Deshalb rate ich dir, lass diesen Punkt für deinen Nachfolger. Du hast mit den andern Punkten wahrlich Arbeit genug bis zu deiner baldigen Pensionierung.Wenn du dafür sorgst, dass dein Nachfolger nach den oben beschriebenen, neuen Regeln gewählt wird, ist er sicher aus anderem Holz geschnitzt und wird all die Reformen, die sich die Kirchenbasis schon lange wünscht und die du allesamt verhindert hast, zum Segen der Kirche schnellstens einführen.
In herzlicher Verbundenheit mit Jesus Christus grüßt dichHelmut Rohnerauch alt und wackelig
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