Beatrice Mock

Bischof ist nicht gleich Bischof

Jeden Tag klappert die Redaktion die Schweizer Medien nach Sendungen oder Berichten ab, welche Bezug zur Kirche in der Schweiz haben. Mangels Spürhunden benutzen wir dafür den Computer. Besonders die Suchmaschinen der verschiedenen Medien sind sehr hilfreich. Da der Titel eines relevanten Artikels mir noch nicht bekannt ist, versuche ich es jeweils mit Schlüsselwörtern, zum Beispiel «Kirche». So erfahre ich, in welchen Texten der Zeitung dieses Wort aufgetaucht ist: Ein Konzert-Hinweis für ein klassisches Konzert in der Kirche St. Maria und ein Baubericht über die Restaurierung der Bruder Klaus Kirche.
Wer denkt, die Arbeit sei nun erledigt, täuscht sich: Die Suchmaschine ist von seltsam devotem Charakter, sie macht nur genau das, was ich befehle. Kirche ist «Kirche», darum werden Texte mit den Worten «kirchlich» oder «Kirchgemeinde» nicht erkannt. Gebe ich wiederum «kirch» ein, tauchen dafür auch sämtliche Orte namens «Kirchdorf» und die mysteriösen «Kirch-Erben» bei den Suchresultaten auf.
Auch Ökumene ist der Suchmaschine wichtig: Sie erkennt keine konfessionellen Unterschiede, sofern diese nicht explizit benannt werden. Darum suche ich oft spezifisch: Mit «Priester» finde ich – nebst vereinzelten Vodoo-Priester-Berichten – meist katholische Meldungen. Bei «Pfarrer» ist schon ein genauerer Blick in den Artikel nötig, diese Berufsbezeichnung gibt es in vielen kirchlichen Gemeinschaften. Und die Zukunft wird in dieser Hinsicht nicht eindeutiger: «Reformierte wollen einen Bischof» titelte das St. Galler Tagblatt am 18. August 2013. Wo kommen wir da bloss hin? Wobei ein Bischof als Schlagwort sowieso nicht taugt: Wer in Schweizer Zeitungen nach «Bischof» sucht, lernt zuerst und vor allem in Wahlkampfzeiten den medienpräsenten CVP-Politiker Pirmin Bischof kennen.
Ja, die Technik der Suchmaschinen lässt sich tatsächlich noch optimieren. «Versteht» sie irgendwann besser, was ich suche?
Bis dahin übe ich mich jedenfalls in Dankbarkeit. Kann ich doch bei dieser Suche – dank der Maschine – in einem wettersicheren Raum sitzen, während man sich früher durch Wälder von Zeitungen hätte kämpfen müssen. Etwa so: Kommissär Hunkeler, vormittags um 10.30, im rauchigen Basler Spunten, der Geruch von Zwiebelsuppe in der Luft, den 14. Kafi Schnaps neben sich… non, merci. 

4. September 2013 | 09:00
von Beatrice Mock
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