«Bin ich ungerecht zu euch?»
SieheZum Weltgebetstag der Frauen
Der Weltgebetstag der Frauen steht dieses Jahr unter dem Motto: «Bin ich ungerecht zu euch?» Die Frage nach Gerechtigkeit ist in unserer Gesellschaft brennender denn je, sind wir doch täglich mit den Konsequenzen schreiender Ungerechtigkeit konfrontiert. Beispiele gäbe es genug, Flüchtlingsströme und vom IS begeisterte junge Menschen sind nur zwei davon. Gleichzeitig ist die Frage danach, was gerecht ist, wohl so alt wie die Menschheit selbst. In ihrer Beantwortung steckt ein Schlüssel für gelungenes Zusammenleben – im Grossen und auch im Kleinen, zum Beispiel in der Familie.
Diese Frage beschäftigte auch Niklaus und Dorothee
Letzteres muss auch Bruder Klaus und Dorothee Wyss beschäftigt haben, als die Erkenntnis reifte, dass Niklaus aufbrechen und weggehen muss, will er seine Berufung voll und ganz leben. Ist das gerecht, dass einer alles und alle hinter sich lässt, um sich selber zu verwirklichen? Ist es gerecht, wenn Menschen ihr eigenes Werden zurückstellen und sich für ein grösseres Ganzes aufopfern? Was wiegt mehr? Familie und Gemeinwohl oder der Ruf Gottes, zur Entfaltung zu bringen, was er in mich gelegt hat?
Schwierige Fragen, die Niklaus und wohl auch Dorothee fast zerrissen hätten. Niklaus hatte einen ausgesprochenen Sinn für Gerechtigkeit, davon zeugen seine Tätigkeit als Ratsherr und Richter und auch ein Bild, das er einmal gebraucht hat: Ob die Brunnenröhre aus Gold oder Silber ist oder aus Kupfer oder Blei, das durchfliessende Wasser verliert nichts von seiner Frische. (Huber 1996, 160) Niklaus hat es sich nie nehmen lassen, am Guten im andern festzuhalten. Und dieses Gute kommt für ihn selbstverständlich von Gott, wie alles, was von ihm kommt, gut ist. Deswegen war nach langem Ringen für Niklaus und Dorothee letztlich auch klar, was bezüglich Lebenswende gerecht beziehungsweise der richtige Weg ist: Sich einlassen auf Gottes Ruf – loslassen, was mich daran hindert und zulassen, wohin der Weg führt.
Nadia Rudolf von Rohr
Niklaus Kuster / Nadia Rudolf von Rohr (2017): Fernnahe Liebe, Niklaus und Dorothea von Flüe. Ostfildern 2017.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.



