Beten statt Handlen?
«Lieber Gott, speise die Hungrigen.» Schon Jesus hatte Mühe mit einer solchen Bitte. Er sagte den Jüngern: «Gebt ihr ihnen zu essen.» Dies wäre sicher auch heute die Antwort auf diese Bitte. Wir dürfen von Gott nicht etwas erwarten, an unserer Stelle zu handeln.
In der Zeitschrift «Christ in der Gegenwart» lese ich zu diesem Thema:
Aus dem französischen Sprachraum einer christlichen Menschenrechtsorganisation, der Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter (ACAT), stammt der Rat: «Das Gebet ist die Mitte im Kampf zur Abschaffung der Folter. Indem er bittet, will sich der Gläubige nicht dem Willen Gottes auf magische Art entziehen. Er stellt sich zur Verfügung, auf dass der Wille Gottes zuerst in ihm selbst und dann in der Menschheit geschieht… Gebet ist nicht aus leichtsinnigen Worten gemacht. Wir können nur dann beten, wenn wir voll verantwortlich sind für das, was wir sagen… Die Fürbitte ist kein Alibi für Passivität. Sie ist die Fortsetzung des Bemühens mit anderen Mitteln. Sie ist die unentbehrliche Verlängerung der politischen Aktion… Das Gebet ist das Bekenntnis zum Engagement, das wir auf uns nehmen wollen… Fürbitten, das heisst weder auf die tägliche Anstrengung verzichten noch auf die historische Hoffnung, das heisst über das eine und das andere hinausgehen in Richtung des wahrhaftigen Zieles allen Lebens: den neuen Himmel und die neue Erde, wo die Gerechtigkeit wohnen wird.»
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