Beim Lästern über Bruder Klaus hörte der Spass auf
Ein höchst interessantes Dokument, das auf den 18. Mai 1471 zu datieren ist, fand Robert Durrer, der Autor des Quellenwerks, im Staatsarchiv Bern. Ein gebürtiger Schwabe, Heinrich Morgenstern, schwor an diesem Tag Urfehde gegenüber Schultheiss und Rat von Bern und entschuldigte sich in aller Form. Nur deswegen erliessen ihm die gnädigen Herren den «verdienten Tod». Er musste sich jedoch verpflichten, nie wieder das Herrschaftsgebiet der Berner und der übrigen Eidgenossen zu betreten.
Lästern über Bruder Klaus und die Eidgenossen
Was war geschehen? Der Urkunde können wir entnehmen, dass er ins Gefängnis gekommen war wegen «ein paar unwürdiger und böser Worte, die ich in Bern mehrmals mutwillig und öffentlich ausgesprochen habe.» Genauer gesagt ging es darum, dass er gesagt habe, der «fromme und gottselige Mann, Klaus von Flüe von Unterwalden, wäre ein Kuhgehender [treibe Unzucht mit Kühen], er und seine Vorfahren, und man hätte selten oder noch nie davon gehört, dass es in jener Gegend und überhaupt in der Eidgenossenschaft jemals einen heiligen oder seligen Mann gegeben hätte.»
Das war allerdings starker Tobak, den Morgenstern gegen Bruder Klaus und die übrigen Eidgenossen aussprach. Dass die Eidgenossen mit den eigenen Kühen Unzucht treiben würden, das war ein beliebter Schimpf bei allen Streitigkeiten und lässt sich auch damit erklären, dass bei den Eidgenossen die Männer die Kühe molken, während dies bei den Germanen die Frauen taten.
Eher reizvoll finde ich dagegen, dass er – wohl mit etwas gelöster Zunge – nicht nur gegen Bruder Klaus lästerte, sondern überhaupt davon ausging, dass es bei den Eidgenossen keine heiligen Männer gäbe. Aus heutiger Sicht besonders bemerkenswert ist jedoch, dass die Berner Behörden gegen dieses Lästern energisch einschritten, die Beleidigungen gegen Bruder Klaus an die erste Stelle stellten und den Missetäter auf Lebenszeit verbannten. Das ist, aus ungewohnter Ecke, eine authentische und höchst wertvolle Quelle, welche auf die grosse Verehrung des Ranfteremiten zu Lebzeiten verweist.
Roland Gröbli
Literatur
Durrer (1917–1921), 45–46. Ausserdem: www.nvf.ch [Morgenstern entschuldigt sich].
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