Befriedigt und unbefriedigt
Ich erkläre ich mich zunächst und vorläufig zufrieden mit der Aufhebung der Exkommunikation. Immer wieder, auch in einem längerem Beitrag für unser Bistums-»Forum», habe ich gefordert, dass es in der Kirche möglich sein soll, dass unterschiedliche Formen der Liturgie nebeneinander gefeiert werden können, ohne dass dabei eine Gruppe ausgeschlossen oder des falschen Glaubens bezichtigt wird. Die Wieder-Zulassung des alten Ritus – auch hier schon ausgeführt – war logische Konsequenz aus der Forderung. Doch schon damals forderte ich, dass die selbe Toleranz nun auch für experimentelle Formen der Weiterentwicklung der bisherigen Riten zu gelten habe. Ob dies erfolgt, bleibt für mich vor dem Hintergrund der Zurücknahme der Erlaubnis zur kollektiven Absolution in Bussfeiern aber äusserst fraglich.
Auch bin ich gegen Exkommunikationen jeglicher Art, solange jemand nicht den Kanon der biblischen Schriften oder eines der Dogmen des ersten Jahrtausends in Frage stellt. Was soll denn das, dass engagierte Menschen andere engagierte Menschen, die auf gleicher Grundlage arbeiten, forschen und lehren, ausschliessen? Was haben Spaltungen der Christenheit vor dem Hintergrund überhaupt gebracht als Religionskriege, Ausgrenzungen und individuelles Leid? Und wenn dann plötzlich katholische und lutherische Kirche erkennen, dass sie sich in der Frage der Rechtfertigung eigentlich immer im Grundgedanken einig waren, peinlich, peinlich.
Darum meine Fragen an die wieder eingeschlossenen Bischöfe und ihre Jünger/innen:a) Anerkennen sie, dass das Zweite Vaticanum eine organische Weiterentwicklung der christlichen Lehre unter den Bedingungen der Neuzeit war?b) Anerkennen sie, dass auch Theologen/innen aus dem progressiven Kirchenflügel gleich berechtige und gleich wertvolle Mitglieder der einen Gemeinschaft sind?
Und meine Fragen an Rom:c) Wann werden nun die Verurteilungen von Küng, Cardenal, Boff, Drewermann, Jäger und vielen mehr rückgängig gemacht? Bis dann bin zumindest ich nicht befriedigt.
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