Bald ist es zu spät
Eine vergessene Prognose, eine verpasste ChanceIn der Zeitschrift «Lebendiges Zeugnis» zitiert Hans Waldenfels den «jungen» Ratzinger:
1970 fragte Professor Joseph Ratzinger in einem Radiovortrag, was aus der Kirche nach dem Jahr 2000 wird. Er beantwortete die Frage mit einer scharfsinnigen Analyse:»Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird viele der Bauten nicht mehr füllen können, die in der Hochkonjunktur geschaffen wurden. Sie wird mit der Zahl der Anhänger viele ihrer Privilegien in der Gesellschaft verlieren. Sie wird sich sehr viel stärker gegenüber bisher als Freiwilligkeitsgemeinschaft darstellen, die nur durch Entscheidung zugänglich wird. Sie wird als kleine Gemeinschaft sehr viel stärker die Initiative ihrer einzelnen Glieder beanspruchen. Sie wird auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen. In vielen kleineren Gemeinden bzw. in zusammengehörigen sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein. Aber bei allen diesen Veränderungen, die man vermuten kann,wird die Kirche ihr Wesentliches von neuem und mit aller Entschiedenheit in dem finden, was immer ihre Mitte war: Im Glauben an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes, an den Beistand des Geistes, der bis zum Ende reicht. Sie wird in Glaube und Gebet wieder ihre eigentliche Mitte erkennen und die Sakramente wieder als Gottesdienst, nicht als Problem liturgischer Gestaltung erfahren.»So weit Professor Ratzinger. Dazu Hans Waldenfels:»Diese Zeitanalyse wird momentan wiederholt zitiert. Paul M. Zulehner erblickte in ihr eine «Vision» des jungen Professors Tatsächlich sagen inzwischen nicht wenige:Das wird kommen. Auch ich bin davon überzeugt. Nur glaube ich, dass es dann in unseren Breiten zu spät ist. «Bewährte Männer» gibt es bald nicht mehr. Die Zeit geht zu Ende, in der man aus der Kenntnis seiner Gemeinde und des Umfeldes seinem Bischof sagen konnte: Hier sind drei, vier «bewährte Christen», denen man allein oder zusammen die Leitung einer Gemeinde und den Vorsitz bei der Eucharistiefeier anvertrauen könnte: Männer, die sich in Beruf und Familie bewährt haben, denen Sonntagsgottesdienst und Empfang der Eucharistie eine Selbstverständlichkeit und ein Herzensanliegen sind, die zudem ein für die Glaubenspraxis hinreichendes Glaubenswissen haben. Die Zeit schreitet voran, und die Welt ändert sich weiter.»
Wie ich schon wiederholt in andern Zusammenhängen geschrieben habe: Noch kann die Kirchenleitung Reformen durchführen. Bald ist es zu spät ….
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