Autorität in der Kirche heute
Am 1. Oktober 1964 fand im Ordinandenseminar der Diözese Basel in Solothurn die feierliche Eröffnung des Studienjahres statt, in Anwesenheit des soeben aus Rom vom Konzil zurückgekehrten Basler Bischofs Franziskus von Streng. Alois Müller, Professor für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Uechtland, hielt den Festvortrag, aus dem einige Sätze auch in die Gegenwart hinein gesprochen sind:
«Die gegenwärtigen Veränderungen im Leben der Kirche werden von vielen nur als Anpassung an den ‹Geschmack› der Zeit gedeutet. Sie sprechen dann von ‹Zugeständnissen›, die sie lieber nicht sehen wollten. Ihre Formel lautet: ‹Nur so viel ändern, als unbedingt notwendig; so viel festhalten, als immer möglich.› Richtig ist jedoch eine andere Grundhaltung, welche die Veränderungen in der Kirche nicht als zufällig und vorübergehend erachtet, sondern weiss, dass sie Wesentliches sind, ein fortwährendes ‹Sich-auf-den-geschuldeten-Stand-bringen›, ein ‹aggiornamento›, das den gottgewollten Vorgängen in der Menschheit entspricht. Darum lautet ihre Formel nicht nach dem gegenteiligen Extrem: ‹So viel ändern als nur möglich›, sondern: ‹So viel ändern und so viel festhalten, als seinsgemäss ist.›»
(ufw: Leonhard M. Weber: Autorität in der Kirche heute, in: SKZ 132 [1964], Nr. 43, 558–561, hier 558.)
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