Walter Ludin

Austreten?

Oder selbstbewusst auftreten?Die Hierarchie in der katholischen Kirche (jedenfalls ihre tonangebende Mehrheit) stemmt sich nicht bloss gegen jegliche Fortschritte. Noch schlimmer: Sie versucht, das Rad zurückzudrehen – indem sie z.B. von der Synode 72/Würzburger Synode abrückt (vgl. Kommentar von Roland B. zum Blog von gestern!)Was tun? Herbert Kohlmaier sieht zwei Möglichkeiten: «Künftige Historiker werden einmal über die gegenwärtige Situation berichten. Eine Kirchenleitung habe sich unnachgiebig und uneinsichtig gezeigt. Unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen, wie es ein bedeutendes Konzil des 20. Jahrhunderts wollte, um die Kirche zukunftsfähig zu machen. Für die künftige Beschreibung des danach Folgenden können zwei mögliche Varianten gedacht werden. Die eine: Die Kirche wäre daraufhin immer mehr verlassen worden und zu einer fundamentalistischen Sekte geschrumpft.
Die andere: Das Kirchenvolk habe das nicht hingenommen und sich selbständig gemacht. Nicht durch ein Weggehen oder die Gründung einer neuen Glaubensgemeinschaft, sondern mit einer ebenso sanften wie selbstbewussten Machtergreifung in der Kirche, der schließlich Rechnung zu tragen war. Die Hierarchie habe erkennen müssen, dass sie sich nur noch auf eine Minderheit unterwerfungssüchtiger Gehorsamskatholiken stützen konnte und wurde so veranlasst, wieder die Verbindung zu den Menschen zu suchen, die Jesus nachfolgen wollten.
Welches der beiden Szenarien sich verwirklichen wird, liegt nicht in der Hand des Vatikans, sondern in unserer. Die Zeit zum Handeln drängt, zu Vieles ist schon verloren gegangen oder arg beschädigt worden. Wir dürfen uns nicht mitschuldig machen, wenn unsere Kirche von einer nur auf sich selbst zentrierten Leitung in eine lebensbedrohliche Gefahr dirigiert wird. Alles muss unterbleiben, was ein Billigen oder gar Mitmachen bedeuten würde. Jetzt hingegen neue Wege zu beschreiten ist jene große Aufgabe und Verantwortung, der wir uns stets bewusst sein müssen.»
Verfasser: Dr. Herbert Kohlmaier. Kontakt: 1230 Wien, Gebirgsgasse 34, Tel. u. Fax (+43 1) 888 31 46, E-Mail: kohli@aon.at. Weitergabe und Vervielfältigung mit Angabe des Autors frei.

24. November 2011 | 01:28
von Walter Ludin
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