Konzilsblogteam

Ausgelaugt

Während seiner Exerzitien macht sich Gérard Philips Sorgen um seine Gesundheit. Im Januar 1964 hatte er unter Herzbeschwerden mit Verdacht auf Infarkt gelitten. Der Arzt versuche, ihn zu beruhigen. «In jedem Fall ist es nicht gut zu sterben, bevor man stirbt, sondern besser, sich in allem Gott zu überlassen» (Phi 144).
In der letzten Konzilssession wird Philips aus gesundheitlichen Gründen seine Mitarbeit in den Konzilskommissionen aufgeben müssen. Wieder zurück in Louvain fragt er sich, ob er noch nach Rom zurückkehren werde, hält dies aber für sehr unwahrscheinlich – und findet, dass es vermutlich besser so ist.
Im Rückblick bewertet er die Konzilszeit als «seltsame Geschichte», die ihn viel über den Menschen gelehrt habe. Sie sei nicht immer ermutigend gewesen.
«Die Angst um die Orthodoxie spielt bei vielen eine negative Rolle. Das liegt einerseits an einem Mangel an Glauben, andererseits an einem Mangel an Information und wissenschaftlicher Bildung. Dieser Mangel wird unbewusst durch Unnachgiebigkeit ausgeglichen» (Phi 155). Es gebe allerdings auch umgekehrt eine zu weite Auslegung der Orthodoxie.
«Manche finden, dass das Konzil die Mühe nicht gelohnt habe. Aber ich habe den Eindruck, dass sie nicht sehr zahlreich sind. Viele lesen die Texte sehr oberflächlich und bringen sofort scharfe Kritik an. Das zeugt weder von intellektuellem Vermögen noch von Demut. Die kirchlichen Amtsträger hören nicht ausreichend» (Phi 155f).
(emf)

27. Mai 2015 | 00:16
von Konzilsblogteam
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