Heinz Angehrn

Aus, Amen, Ende – Nachbetrachtung

Da gedanklich-geistig zu viel los war in den letzten Monaten, erst jetzt meine Nachbetrachtung zum bei Herder erschienen Buch von Thomas Frings mit dem selben Titel. Kollega Frings kündigte zunächst mit einem längeren Text und dann im Nachhinein mit diesem Buch seinen Pfarreien an, warum er nach gut 30jähriger Tätigkeit als Priester und Pfarrer «nicht mehr Pfarrer sein» konnte bzw. wollte und sich in ein holländisches Kloster zurückzog. Natürlich habe ich das Buch mit höchstem Interesse gelesen. Es hat bei und in mir mehr Verwunderung und offene Fragen ausgelöst, als dass ich mir bestätigt vorgekommen wäre. Ich akzeptiere den Gewissensentscheid des Kollegen, erlaube mir aber doch, Fragen zu stellen.

a) Zunächst gebe ich Herrn Frings recht, wenn er schreibt, dass gewisse liturgische Feiern, vor allem bei Hochzeiten und bei der Erstkommunion, wüste Jahrmarktveranstaltungen sind, die mit einer ernsthaften Feier von Eucharistie und Sakrament nichts mehr zu tun haben. Aber das geschieht pro Jahr ja vielleicht drei bis vier Mal. Nebenan stehen für einen Priester Hunderte von «anständigen» bzw. «ordentlichen» Eucharistiefeiern mit seinen kleinen und grösseren Kerngemeinden. Da kann doch der Leidensdruck nicht so gross sein, dass man den Hut nehmen muss.

b) Ich gebe ihm auch recht, wenn er schreibt, dass die Schaffung von immer grösseren Seelsorge- und Pastoralräumen (bei uns in St.Gallen: Seelsorgeeinheiten) für einen Priester, der sich als Seelsorger versteht, auch immer grössere Anonymität und Entfremdung von der Basis bedeutet, dass ihm immer mehr Menschen fremd und fern sind. Aber da kann jeder von uns ja Gegensteuer geben, indem er sich bei seinem Pflichtenheft einen rechten Anteil von direkter Seelsorge ausbedingt. Ich etwa erteile darum seit nun fast 36 Jahren immer Religionsunterricht auf der Oberstufe. Da habe ich Direktkontakte und konkretes Menschenleben zuhauf!

c) Und dann glaube ich nicht, dass das Kloster Herr Frings vor neuen solchen Erfahrungen bewahrt! Die meisten unserer Klöster helfen da mit allen verfügbaren (spricht: noch nicht dementen und des Gehens fähigen) Patres in den umliegenden Pastoralräumen (Seelsorgeeinheiten) aus.

d) Wenn Herr Frings konsequent gewesen wäre, hätte er sein Priesteramt einige Jahre bewusst ruhen lassen und wäre in die Diakonie gegangen. Das hätte ich verstanden.

 

31. Mai 2017 | 06:00
von Heinz Angehrn
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