Auf der Suche nach einer zeitgemässen Spiritualität
Joseph Kardinal Malula, Erzbischof von Kinshasa, skizzierte einmal den spirituellen Weg des Volkes Gottes in Zaire rückblickend u.a mit folgenden Worten. «Unter allem, was das Zweite Vatikanische Konzil Gutes bewirkt hat, sind die Wiederentdeckung des Wortes Gottes durch die katholischen Christen, die Gestaltung der Liturgie in der jeweiligen Landessprache und auch die veränderte Einstellung zur Welt besonders hervorzuheben. Dank diesem Konzil des Aggiornamento können die Katholiken, die so lange vom Tisch des Wortes Gottes ferngehalten wurden, nunmehr teilhaben an der vollen Tischgemeinschaft sowohl des Brotes wie auch des Wortes Gottes. Seit den grossen Veränderungen nicht nur in der Weise des Betens der katholischen Christen, sondern auch in ihrem moralischen Verhalten, wird der brüderlichen Liebe und den karitativen Werken zugunsten der Benachteiligten vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt, und das wegweisende Wort der Bischöfe ‹Solidarität und Teilen› wird mit viel Grossmut in die Praxis umgesetzt […] Es ist gewiss, dass die Spiritualität, eben weil sie lebendig ist, immer in der Entwicklung begriffen und Veränderungen unterworfen ist. So ist auch klar, dass unsere Spiritualität heute nicht dieselbe sein kann wie gestern und vorgestern. Aber hat sie sich nicht allzu schnell einiger gültiger Elemente der Vergangenheit entledigt? ‹Präsenz in der Welt›, ‹Dienst›, ‹Engagement›, ‹Solidarität› usw., das sind die Leitworte von heute. Unser Reden über den Glauben heute wendet sich an die Intelligenz und den Dynamismus des Menschen unserer Tage. Was aber tun wir, um auf die Bedürfnisse des Herzens und des Gefühls der Männer und Frauen von heute zu antworten? … Dürfen wir verkennen und ablehnen, was man ‹Volksreligion› genannt hat? Hiesse das nicht, die Erwartungen eines grossen Teiles unseres Volkes enttäuschen und die Gefahr eines elitären Sektierertums heraufbeschwören? … Es ist an der Zeit, die Dinge zu überprüfen, um all das wiederzufinden, was zur Bildung einer Spiritualität beitragen kann, die den Menschen unserer Tage hilft, eine bessere, gerechtere und brüderlichere Welt aufzubauen, eine Spiritualität, die zugleich ihre Herzen anspricht (Hos 2,16).»
(Giancarlo Collet)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


