Markus Baumgartner

Auf der Rutschbahn zum Lobgesang

Der Pattern Store in der englischen Stadt Swindon ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Es wurde 1897 für die Great Western Railway erbaut. Nun hat die anglikanische Kirche das Gebäude gekauft und umgebaut. Sie bietet es als offene, multifunktionale Plattform an – seit neustem mit einer Rutsche in den Gottesdienst. 

Der Pattern Store bildet mit seinem Backsteinmauerwerk eines der markantesten Gebäude in der englischen Stadt Swindon. Bis 1986 war dort die Great Western Railway zuhause. Der Keller wurde während des Ersten Weltkriegs als Speisesaal und von 1939 bis 1960 als Kantine genutzt. Zuletzt hat das dreistöckige Gebäude als italienisches Restaurant gedient. Nach der Schliessung hat sich die anglikanische Kirche der Diözese Bristol entschlossen, das Gebäude zu kaufen und umzubauen. Die Pläne für die Umwandlung in eine Kirche lösten lebhafte Diskussion aus. Gemäss der Lokalzeitung «Swindon Advertiser» sagte Geoff Jackson: «Das zeigt nur, dass die Verantwortlichen keine Ahnung haben, was in der Gemeinde wirklich gebraucht wird.» Und Scott Harvey ergänzte: «Was für eine wahnsinnige Verschwendung eines historischen Gebäudes.» Ein Sprecher der Diözese Bristol erklärte: «Wir freuen uns, diese wichtige Investition in das Erbe von Swindon tätigen zu können und dem Gebäude neues Leben für die Stadt einzuhauchen.» 

Vision für die ganze Stadt

Das Gebäude wurde an Weihnachten 2018 aber nicht nur als Pattern Church geöffnet, sondern stellt auch offene, multifunktionale Räume für eine breitere Nutzung bereit. Der Umbau ist laut Diözese ein Teil der Antwort der Kirche von England auf die sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Menschen: «Die neue Kirche hat eine Vision für die ganze Stadt. Mit dem Projekt soll das gestärkt werden, was unsere Kirchen bereits tun, um einen positiven sozialen Wandel in der Stadt zu bewirken.»

Man arbeitet mit den bestehenden Kirchengemeinden zusammen, die sich bereits für Obdachlose, Einsame, Isolierte, Hungernde oder Hilfsbedürftige einsetzen. Das Team der Pattern Church wird von Reverend Joel Sales geleitet. Er arbeitete als Pastor in Kirchen in Bath und Kapstadt. Zuletzt war er in der Holy Trinity Brompton Church in London tätig. Joel Sales zog mit seiner Frau Cath und zwei kleinen Söhnen nach Swindon.

Innovativer Gottesdienst-Einstieg

In den Gottesdienst-Raum führt jetzt eine neu installierte Rutsche, auf der die Gäste in den Saal hinunter gelangen können. Es ist eine massive, gewundene Rutsche. Über die Motivation zur Installation dieser unüblichen Einrichtung sagt Reverend Joel Sales in einem YouTube-Clip: «Es gehört zur Tradition der Christen, Glasfenster und Kunstwerke in Kirchen einzubauen. Wir haben eine Rutsche eingebaut! Warum das? Weil das Christentum ein Leben der Freude ist! Gott ist nicht distanziert, langweilig und böse. Er ist glücklich und nahe, er hat Spass und ist fröhlich.» Damit soll gezeigt werden, dass dies eine Kirche für alle ist, für Jung und Alt, schreibt die Lokalzeitung Gloucestershire. Joel Sales: «Gott liebt Kinder und junge Leute. Wir haben kein einfaches Leben, aber ein Leben voller Freude. Diese Rutsche ist eine kleine prophetische Erinnerung daran.»

Bild Quelle patternchurch.org
10. August 2021 | 06:06
von Markus Baumgartner
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