Markus Baumgartner

Auch heute noch geht Liebe durch den Magen

Beim Essen wird Solidarität sichtbar: Aktionen wie ein Rösti-Essen für einen guten Zweck im Kapuzinerkloster Solothurn oder «St. Gallen tischt auf» mit einem Festessen aus geretteten Lebensmitteln begeistern spontan viele Unbeteiligte. Und sie regen zum Nachdenken an. 

Bereits zum 14. Mal wurde im Kapuzinerkloster Solothurn unter dem unter dem Motto «Röschti das isch s’Gröschti» für einen guten Zweck Rösti gekocht und serviert. Auch dieses Mal waren viele Solothurner Persönlichkeiten wie Nationalrätin Franziska Roth, Ständeräte Roberto Zanetti und Pirmin Bischof und der Rapper Manillio für die Perspektive Region Solothurn-Grenchen unterwegs. Innerhalb kürzester Zeit servierten Prominente aus der Region und freiwillige Mitarbeiter 300 Mittagessen. Mit jedem verkauften Menü wurden vier warme Mahlzeiten in der Solothurner Gassenküche finanziert – eine «Rösti» für 28 Franken ermöglicht vier Mahlzeiten in der Gassenküche à 7 Franken.

Mehr als ein Spendenanlass

Die Ursprünge dieses Anlasses gehen bis 2006 zurück. Dort wurde zuerst an der Herbstmesse Solothurn ein Sponsorenessen veranstaltet. Sechs Jahre später wurde das Essen in das Kapuzinerkloster verlegt. «Es ist schon Wahnsinn, wie viel Geld für die Gassenküche gesammelt werden kann und das innerhalb nur drei Stunden», sagte Karin Stoop, Geschäftsleiterin der Perspektive Region Solothurn-Grenchen, begeistert gegenüber der «Solothurner Zeitung». 2019 seien in den drei Stunden rund 11’800 Franken zusammengekommen. Letztes Jahr ist der Anlass wegen der Pandemie ausgefallen. «Es ist viel mehr als ein Spendenanlass», fügt Stoop an. Es sei immer gute Stimmung bei den Freiwilligen und den Gästen. Das zeigt auch ein dreiminütiger YouTube-Video

Festessen aus überschüssigen Lebensmitteln 

Im Herzen St. Gallens servierten lokale Akteure zusammen mit foodwaste.ch beim Vadian-Denkmal für rund 400 Personen ein festliches Mittagessen aus einwandfreien Lebensmittelüberschüssen, wie «Die Ostschweiz» berichtet. Das genussvolle Programm unter dem Motto «St. Gallen tischt auf» machte auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam: In der Schweiz geht fast ein Drittel aller Lebensmittel auf dem Weg vom Feld zum Teller verloren. Das sind allein in der Schweiz jährlich 2,8 Millionen Tonnen. Mit dieser Menge an Food Waste könnte man 150’000 Lastwagen beladen und so eine Kolonne von Zürich bis Madrid bilden. Food Waste belastet die Umwelt enorm, wobei die privaten Haushalte für rund die Hälfte dieser Belastung verantwortlich sind.

Rund 150 Kilogramm Gemüse, Früchte und Brot wurden von landwirtschaftlichen Betrieben der Region sowie von den Botengängen der RestEssBar St. Gallen bezogen und in Zusammenarbeit mit dem KochKollektiv zu einem leckeren Menü für rund 400 Personen verarbeitet. Die Menüs wurden gegen eine freie Spende verteilt. Die verwendeten Lebensmittel waren geschmacklich einwandfrei, konnten im Detailhandel jedoch aufgrund von Norm- oder Qualitätsanforderungen nicht verkauft werden. 

Gruppierungen vernetzten

«St.Gallen tischt auf» war ursprünglich bereits für 2020 geplant, fiel aber teilweise Corona zum Opfer. Die Ausstellung «Aus Liebe zum Essen» von foodwaste.ch konnte im September 2020 in der offenen Kirche von rund 30 St. Galler Schulklassen und Jugendgruppierungen unter fachkundiger Führung besucht werden. Ziel des Konzepts von «St.Gallen tischt auf» war es, lokal gleichgesinnte Gruppierungen zu vernetzen. Dies ist gelungen, wirken doch viele Akteure aus der Region wie Cityseelsorge St. Gallen, Evang.-ref. Kirche des Kantons St.Gallen, Marketingclub der Uni SG oder oikos St.Gallen mit. 

Aktion von foodwaste.ch in Luzern – «Luzern tischt auf» – Aus Liebe zum Essen. Schnippel-Disco vor der Matthäuskirche in Luzern. Bild: Mischa Christen
8. November 2021 | 22:34
von Markus Baumgartner
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