Rebekka Rieser

Assassin's Creed – Filmreview

Nach vier Wochen Laufzeit fand ich endlich die Zeit mich ebenfalls ins Kino zu setzen, um diesen  einen Film anzuschauen, dessen Macher einst meine Leidenschaft fürs gamen angekurbelt haben.

Um jetzt aber nicht einen ellenlangen Blogpost zu schreiben, werde ich mich hier nur auf den Film konzentrieren und zu einem späteren Zeitpunkt die Geschichte der Spiele analysieren. Im Wesentlichen sind sich ja ähnlich.

Zurück zum Film Assassin’s Creed, der uns einerseits in eine beängstigende Gegenwart aber auch in eine nervenaufreibende Vergangenheit mitnimmt. Bindungsglied dazu ist Callum unser a) Todeskandiat und b) Assassine.

 

Zum Hintergrund der Geschichte

Eine kurze Einführung zu Beginn der Geschichte klärt uns darüber auf, dass ein, schon seit Menschengedenken, andauernder Kampf zwischen Templern und Assassinen herrscht. Die Templer wollen mit Hilfe eines sogenannten Eden-Splitters oder Eden-Apfels den freien Willen der Menschen unterwerfen. Die Assassinen hingegen haben geschworen den Apfel zu verteidigen und zu verstecken, um dadurch die Menschheit zu beschützen.

 

Zur eigentlichen Story

Nun befinden wir uns in den 80er Jahren, wo der junge Callum den grausamen Tod seiner Mutter durch seinen Vater ertragen muss. «Dein Blut gehört nicht dir» sind die erklärenden Worte seines Vaters gegenüber seinem Sprössling. Danach schickt er Callum auf die Flucht, während draussen schwarze Limousinen vorfahren..

In der Gegenwart angekommen, befinden wir uns zusammen mit Callum (gespielt von Michael Fassbender) im Gefängnis in Texas, wo unser (Anti-) Held gerade auf die Todesspritze vorbereitet wird. An seiner Seite eine hübsche Ärztin. Einmal das Mittel verabreicht, stirbt Cal nicht (wär ja auch blöd) sondern erwacht in einem futuristischen weissen Raum – neben ihm sitzt die hübsche Ärztin aus dem Gefängnis – Sophie (gespielt von Marion Cottillard). Abstergo (so die Firma für die Sie arbeitet) hat ihn gerettet, für die Welt ist er nun tot, aber sie schenken ihm ein neues Leben, denn sie wollen seine Erinnerungen.

Bildergebnis für AC film Sophie (Marion Cottillard) und Callum (Michael Fassbender) | © Assassin’s Creed Ubisoft via Gamespot

So kommt er als Abstergos Versuchsratte in den sogenannten Animus (hier sei mal ein Aufschrei für die Fans gegönnt, denn die visuelle Umsetzung ist echt gewöhnungsbedürftig). Mit Hilfe dieses Apparates wird Cal mit seinen Vorfahren verbunden, damit seine «genetischen Erinnerungscodes» angezapft werden können. Dadurch erlebt, erfährt und spürt er alles, was seine Vorgänger durchgemacht haben. Er durchlebt nicht nur die Erinnerungen seiner Vorfahren, sondern übernimmt auch deren Fähigkeiten. Im Film wird dieser Vorgang als Synchronisation bezeichnet.  Sobald Callum an den Animus angeschlossen ist, reisen wir mit ihm zurück ins Jahr 1942 nach Spanien und lernen seinen Vorfahren Aguilar de Nerha kennen.

In Spanien: Die Assassinen befinden sich in grosses Aufruhr. Ihr Verbündeter, der persische König, steht unter Druck. Die Gegenseite, die Templer bzw. Teile der katholischen Kirche, haben seinen Sohn und verlangen im Austausch den Eden-Splitter. Deswegen ist die Mission der Assassinen den Sohn zu befreien.

Soviel zur Filmhandlung.

Zur Religion

Wer AC kennt, weiss, dass die Welt eine Mischung aus Fiktion und historischen Tatsachen ist, weshalb Religion stets einen wichtigen Part einnimmt. Doch ich möchte hierbei gar nicht auf die Rolle der katholischen Kirche in den AC-Reihen eingehen, sondern viel mehr auf das Leitmotiv, den Eden-Splitter, die Frage nach dem freien Willen, «Mord für den guten Zweck» und die dualistische Konstruktion der Assassinen und Templer.

 

Der Apfel

Wenn die kreativen Köpfe hinter solchen Geschichten, Symbole oder Begriffe aus der Bibel wählen und denen eine neue Bedeutung zuordnen, zum Beispiel den Eden-Splitter oder noch schöner den Eden-Apfel, ist das ein gefundenes Fressen für Religionswissenschaftlerinnen wie mich. Wer sich ein bisschen mit der Bibel auskennt, der weiss, dass der Apfel ein zentrales Symbol der Erkenntnis aber auch für den Ungehorsam gegen Gott sowie die Sündhaftigkeit des Menschen ist.

Im Film selber steht er für den freien Willen und die absolute Macht sozusagen die göttliche Kraft.

Der Apfel ist in der Geschichte ein Gegenstand der Macht. Wer ihn besitzt, erhält die Fähigkeit den Menschen den freien Willen zu nehmen und sie zu absolutem Gehorsam zu zwingen. Der Besitzer des Eden-Apfel kann dadurch ein bisschen Gott spielen – einfach gesagt der Apfel symbolisiert in AC die Göttlichkeit. In der Bibel hingegen ist der Apfel die Frucht der Erkenntnis, des Ungehorsams und auch ein Sinnbild der Sünde. Er macht den Menschen zum Menschen – somit ist der Apfel eigentlich die Frucht des Menschen.

Aber in beiden Fällen stellt der Apfel etwas Mächtiges und Zerstörerisches dar. In ihm liegt die Kraft zur Wende der Menschheitsgeschichte.

 

Assassinen und Templer

Des Weiteren ist natürlich die ganze Konstruktion um die Templer und Assassine an sich religiös. Wir haben zwei Gruppen (beide mit der Vorstellung die Menschheit zu schützen und ihr zu dienen). Für mich bildet sich hier ein sehr duales Weltbild ab, es gibt die Bösen (die Templer) und die Guten (die Assassine). Die überaus mächtigen Templer haben überall ihre Anhänger. Ihre Roben sind lang und schwarz und sie halten seltsame Rituale und Treffen ab. Alles wirkt sehr geheimnisvoll und mystisch.

Die Assassine hingegen wirken wie eine rebellische Untergrundbewegung, die aber auch ihre blutigen Riten, Initiationen und Symbole haben. «We work in the dark to serve the light” oder ” Nothing is true everthing is permitted” sind Teile ihres Credo.

Beide Gemeinschaften sind absolut und resolut und sehen sich als Dienerschaft eines höheren Gut.

Was beide noch nicht wissen, es werden tatsächlich noch göttliche bzw. ausserirdischen Figuren ins Spiel kommen und über das Schicksal der Menschen bestimmen.

 

Bildergebnis für assassin's creed nothing is true everything is permitted Assassins Credo | © terroristheonlylight via miyku

 

Philosophie oder Leitmotive

Der Mensch und der freie Wille ein heiss diskutiertes Thema sowohl unter den Theologen wie auch unter den Naturalisten. Im Film ist klar, der Mensch besitzt einen freien Willen, man kann ihn aber unterwerfen. Die Templer wollen dies mit Hilfe des Apfels ,und unter dem Vorwand des «Weltfriedens», durchsetzen. Sie glauben, wenn der Mensch total gehorsam ist, gibt es auch keine Gewalt mehr. Das Gewalttätige wird im AC immer in Verbindung mit dem freien Willen gesetzt. Diese Umstände beanspruchen höchst philosophische Überlegungen. Bedeutet nämlich der freie Wille des Menschen gleichzeitig, dass Gewalt und Krieg dazugehört? Und ist Frieden nur möglich, wenn der Mensch aufhört nach eigenem Gut dünken zu handeln?

 

Zur Meinung:

 

Ich fand den Film ja grossartiges Unterhaltungskino. Der Film ist schnell und kann vor allem in seiner visuellen Umsetzung überzeugen. Die Kamreaführung gibt dem Zuschauer oft das Gefühl selbst auf der Flucht zu sein und über die Dächer von Sevilla zu springen. Die 3D und Slow-Motion Effekte sind meiner Meinung nach passend eingesetzt.

Auch wenn nicht die Kompositionen aus dem Game genommen wurden, überzeugte mich die Musik im Grossen und Ganzen. Die dramatischen Violinen unterstreichen die Spannung und das schnelle Bild gut.

Abzug gibt es in der Storyführung und im emotionalen Bereich. Da der Film so schnell ist, ist der Zuschauer, welcher das Spiel nicht kennt, rasch überfordert. Viele Fragen und Tatsachen bleiben ungeklärt, die Gespräche sind oft kryptisch und schreien geradezu nach einem zweitenTeil. Technische Aspekte des Animus oder überhaupt von Abstergo aber auch das Kredo der Assassine etc. werden kaum erklärt.

Die Figuren und vielleicht auch die Geschwindigkeit des Films schaffen es zudem nicht, dass der Zuschauer sich mit den Personen identifizieren und dadurch Emotionen aufbauen kann. Wenn jemand im Film stirbt, berührt das einen kaum. Die Figuren wirken oft eindimensional und flach, weshalb Zweifel, Komplexität oder die innere Zerrissenheit, die Sophie und Cal eigentlich ausmachen sollten, nicht zu spüren sind.

Trotzdem hatte ich Lust nach dem Kino sofort mit Parcours anzufangen und mich von den Dächern Zürichs in einen Heuwagen zu stürzen.

 

12. Februar 2017 | 16:22
von Rebekka Rieser
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