Artikel Ruch zum Schweizer Kirchensystem
Bin von aussen auf den Artikel von Christian Ruch in den «Stimmen zur Zeit» hingewiesen worden (unter kath.ch und kipa schon verbreitet). In ähnlichem Sinn und Tonfall, wie es sein Bruder im Geiste, Martin Grichting, schon in unserer SKZ getan hat, ortet er unser Schweizer «Kirchenproblem» in unserem egoistischen, durch das System von autonomen Kantonalkirchen und Kirchgemeinden gestützten «Kirchturmdenken». Wir bösen liberalen Westler denken also nur an unsere Kirchtürme, wenn wir mehr Demokratie in der Kirche, wenn wir etwa die Gleichberechtigung der Frau auch in der katholischen Kirche einfordern. Wir «verschliessen» uns der Weltkirche, die sich an gewissen Orten (und in gewissen Köpfen) immer noch schwer tut, die Errungenschaften der Französischen Revolution, der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu akzeptieren. Seltsame Solidarität wäre das! Vorläufige Conclusio: Wieder einer aus der Garde, die sich nach der Trennung von Kirche und Staat sehnt, um sich danach in sektiererischer splendid isolation und in fundamentalistischem Wohlsein von der Neuzeit zu verabschieden. Alles Weitere dazu habe ich hier schon geschrieben und gesagt. Without me, gentlemen!Doch, was sagt Herr Ruch auch noch (Zitate aus dem Net): «Die Leidtragenden dieses ‘langfristig unhaltbaren Zustandes’ sind für Ruch in erster Linie die in den Gemeinden tätigen Priester. Sie müssten sich nämlich laufend entscheiden zwischen dem Gehorsam gegenüber ihrem Bischof und der Loyalität gegenüber der Kirchgemeinde, ihrem Arbeitgeber. Dabei hätten sie sehr oft ‘faule Kompromisse’ zu schliessen.»Aber das ist mir noch nie passiert, Herr Ruch. Solches Leiden verspüre ich nicht. Worunter ich leide, ist zu sehen, wie unsere Bischöfe zerrissen und kaputt gemacht werden im permanenten Spagat zwischen diesen Welten. Darum: Was für Priester meint Herr Ruch? Im Sinn des Abendlandes und seiner humanitären Bildung aufgewachsene und erzogene Menschen? Kaum. Oder meint er die neue Garde der frommen Teilgebildeten, die noch vor 30 Jahren kaum ins Seminar aufgenommen worden wären?
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