Konzilsblogteam

Arbeiterpriester: offen in der Welt

Das Priesterbild unserer Breiten ist recht stark geprägt von seiner beamtenähnlichen Stellung. Er wird – auch oder vielleicht sogar noch mehr – in den grösseren pastoralen Räumen als Leiter einer Verwaltungseinheit betrachtet, mit vielen zugeschrieben Aufgaben einer vollen Arbeitsstelle. Die Aufbrüche der Arbeitspriesterbewegung des 20 Jahrhunderts setzen ausdrücklich anderer Akzente, wurden dann aber aufgrund der vermuteten einseitigen Politisierung vom Vatikan abgewürgt.
Unser Dekret sorgt für eine deutliche Rehabilitierung: «Alle Presbyter nämlich werden gesandt, an demselben Werk mitzuwirken, sei es, dass sie einen pfarrlichen oder überpfarrlichen Dienst ausüben, sei es, dass sie sich der Forschung oder Lehre der Wissenschaft widmen, sei es auch, dass sie mit den Händen arbeiten und dabei das Los der Arbeiter selbst – wo dies freilich mit Billigung der zuständigen Autorität nützlich zu sein scheint – teilen, sei es schliesslich, dass sie andere apostolische oder auf das Apostolat ausgerichtete Werke erfüllen.» (PO 8,1)
Ein vielfältiges Bild des priesterlichen Dienstes wird hier dargestellt, nicht nur der Pfarr-Priester, ausdrücklich auch – um eine auch hierzulande inzwischen relevant werdende Diskussion zum Diakonat weiter zu führen – als Priester im Zivilberuf. Wo immer er wirkt und lebt kann er seinen Aufgaben der Verkündigung und Heiligung nachkommen und priesterlich wirken.
Das Wirken in der Arbeiterschaft ist also nicht, wie vielfach gemeint, ein Notbehelf um zu Lohn und Brot zu kommen, sondern genuiner Ausdruck der Berufung und Sendung.
Für die Frage der Priesterberufungen und der Priesterbildung ist dies neu zu entfalten: Priester braucht es nicht nur als «Pfarrer-Priester»!
(Richard Hartmann)

17. Mai 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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