Antworten an E.Drewermann
Freitag, 3. Februar 2006
Man beachte zum Thema den wahrlich bemerkens- und lesenswerten Artikel von Gotthard Fuchs «Kirche, wo bist du? Eugen Drewermanns unerledigte Fragen» in der Zeitschrift «Christ in der Gegenwart» (mir verdankenswerter Weise – obwohl erst zum 12.2. datiert! – schon zugesandt).
Fuchs stellt «sträfliches Schweigen» seitens der Kirchenverantwortlichen fest und bezeichnet es als «Schande», dass in den vergangenen Jahren mit Drewermann nicht ein lebendiger Dialog geführt worden ist:
«Die Kluft wuchs in wechselseitiger Schuldzuweisung und in kränkender, ja krankmachender Gegen-Abhängigkeit. Es ist ein Armutszeugnis, daß in ‘meiner’ Kirche nicht genügend Lebens- und Gestaltungsraum sein soll für solch eine prophetische, also gewiss auch unbequeme Persönlichkeit, die zudem spürbar ums eigene Überleben schreibt und gerade deshalb – wie einseitig und bestreitbar auch immer – Wesentliches für viele andere zu sagen hat.»
Fuchs bedauert den Verlust eines Menschen, der mit seiner «geistlichen Leidenschaft» der Kirche noch viel hätte geben können. Er diagnostiziert aber auch die Zelbstzerstörung Drewermanns, die ihn im immer länger werdenden Konflikt mit Mutter Kirche zum «zitiersüchtigen Egomanen» werden liess. Die von Drewermann zu Recht aufgeworfenen offenen Fragen nach einer neuen Schöpfungsspiritualität und nach einer dem Evangelium Jesu wirklich angemessenen Kirchenstruktur bleiben/blieben deshalb unbeantwortet liegen. Und dass die Vertreter der Orthodoxie sich ihrer annehmen werden, ist sehr sehr fraglich …
Hart zum Schluss das von Fuchs zu Recht und pointiert in den Raum gestellte Zitat einens anderen grossen Gebannten und Verkannten, Pierre Teilhard de Chardin, der geschrieben hat: «Wäre es für mich logisch, wenn ich, durch einen Bruch mit meiner Kirche, ungeduldig das Wachsen des christlichen Triebes forcierte, von dem ich überzeugt bin, daß sich in ihm der Saft der Religion von morgen vorbereitet? Ich bin Gefangener in der Kirche aufgrund eben der Anschauungen, die mir ihre Unzulänglichkeit aufdecken…»
Meine Achtung vor Teilhard steigt ein weiteres Mal. Meine Fragen an Drewermann bleiben. Meine abgrundtiefes Misstrauen gegenüber unserer Institution aber auch!
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