Heinz Angehrn

«Altliberal»

Die wildwütigen Schreiber-Täter auf den «kreuz.net» Seiten benutzen gerne sehr spezielle Beleidigungen und Schimpfwörter, mit denen sie ihre Gegner, die allüberall (nach Thomas Binotto immerhin 99,95%) lauern, benennen. Manche dieser Begriffe sind fürchterlich, manche erheiternd, aber sie legen alle Zeugnis ab von der Kinderstube und der Geisteshaltung ihrer Benutzer: So etwa «Krawattenbischof» (ein französischer Bischof liess sich so gekleidet ablichten), «Kameradenschweine» (die deutschen Bischöfe, die gegen den römischen Entscheid protestierten), «Homo- und Blutpolitiker» (Angela Merkel, Barack Obama), «Dinosaurier» (emeritierte Theologieprofessoren, die protestieren).
Der weitaus häufigste dieser Ausdrücke aber ist ein seltsam edler: «altliberal». Altliberale Kräfte arbeiten im Vatikan, haben die Bischofskonferenzen unterwandert, sind verantwortlich für den Williamson-Skandal, haben den Niedergang der Kirche seit dem Vaticanum II zu verantworten. Seltsam, seltsam, denke ich:
a) «Liberal» ist für mich aber kein Schimpfwort, sondern ein Ehrentitel. Wer so beschimpft wird, darf sich glücklich schätzen. b) «Alt» andrerseits könnte in der Auffassung der Piusbrüder und -schwestern meinen, dass diese Position abgewirtschaftet hat. Dieses Urteil begründen sie mit den Zahlen der Teilnehmenden am Sonntagsgottesdienst und den der Priesterberufungen. Oder meinen sie, dass ihre Vertreter/innen am Aussterben sind?
Seltsam alleweil, diese Kombination: Alt-Liberal. Wer deutet mit?

9. März 2009 | 16:49
von Heinz Angehrn
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