Allfällige Trauer um Herrn Homoki
Die Sonntagspresse hat geunkt. Herr Andreas Homoki als Intendant des Zürcher Opernhauses soll auf der Wunschliste der Bayerischen Staatsoper (eines der europäischen Top-Häuser neben Wien, London und der Scala di Milano) ganz weit oben stehen, und ein Wechsel mache aufgrund der dortigen grösseren (materiellen und künstlerischen) Möglichkeiten einen gewissen Sinn. Der Verwaltungsrat werde sich wohl Gedanken machen müssen, so die Unkenden (auch Herr Haefliger als Intendant des Luzerner Festivals wird gleich schon als allfälliger Nachfolger gehandelt).
Der Schreibende macht sich auch seine Gedanken und er wird Herrn Homoki nicht allzu viele Tränen nachweinen, falls das oben Vermutete Tatsache wird. Die Inszenierungen, die er als Hausherr selber geboten hat, waren mehrheitlich gut und machten einen gewissen Sinn, wenn auch das permanente «Schuhschachtel-Format» (etwa im «Holländer», in «Fidelio», im «Lohengrin» und den «Puritani») auf Dauer langweilig-ermüdend wirkt. Für das «Land des Lächelns» rechne ich schon jetzt mit dem Inneren einer wienerisch-chinesischen Bonbonniere…
Seine Intendanz ist/»war» ja ganz folgenden Prinzipen gewidmet: a) erst die intellektuell-konstruierte Regie-Arbeit, dann die Kunst, b) erst die hässlichsten Bühnenbild-Ideen, dann die werkgetreue Umsetzung, c) prima der/die Regisseur/in, dopo die Musik und das Libretto. Beispiele abscheulichster Art sind etwa sämtliche Inszenierungen von Frau Gürbaca und Herrn Tcherniakov. Schönheiten wie «Aida», «Pelléas et Melisande» und «Rigoletto» wurden bewusst verunstaltet. Aber auch weitere populäre Werke wie «Freischütz» und «Entführung» wurden konsequent in den Sand gesetzt. Die elitäre Opernkritik im Stile des Herrn Wildhagen jubelte, der Besucher litt und musste gar noch zahlen!
Meine Trauer hält sich in Grenzen. Ich hoffe auf einen ähnlich weisen Entscheid, wie er in Wien gefällt wurde: Kein Inszenierungs-Insider, sondern ein Mensch, der weiss, wie man schöne Musik vermarktet.
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