Ahnung von einer andern Schoepfung ?
Wir haben im Verlauf der Zeit – vielleicht – sowohl unseren Schoepfer als auch sein Werk, die Schoepfung, vermeintlich etwas besser kennen gelernt ? Der Schoepfer-Gott gilt heute als zuvorkommend gut, barmherzig und voll von Liebe, zwar noch immer all-maechtig, gerecht und all-wissend und vor allem: Er gibt ewiges Leben. Das alles haengt nicht logisch zusammen; aber das muss es ja auch nicht. Was bedeutet schon human-logisch bei Gott?
Darum ist die Ahnung von einer ganz andern Schoepfung ja auch moeglich, denn sie muss nicht human-logisch sein, schon gar nicht human-theo-logisch:
Der Herrgott sagte sich eines Tages: Ich moechte fuer den Moment eine andere eigenartige Schoepfung erschaffen, in der alles einen Beginn und ein Ende hat. Nicht nur das Ganze soll jubelnd strahlend aufscheinen sondern jedes Einzelne ebenso – und ebenso wird jedes Einzelne wie das Ganze enden im strahlend untergehenden Abschied. Der Abschied wird end-gueltig sein. Ein totales Ende fuer immer und ewig. Die Schoepfung im Augenblick des Spiels, wie ein Tanz, der endet. Und den Menschen sag’ ich: ICH moechte nur einen Augenblick lang sehen, was fuer einen Menschen sie zu verwirklichen im Stande sind; jede Person leuchtet auf wie ein Funke; ICH freue mich an ihrem zischenden Feuerwerk und schon nach kurzer Zeit wird das ganze Spektakel vorbei sein – Ich wende mich einem ganz andern Spiel zu.
Dass die Menschen wegen ihrer Geistbegabung auf die Idee kommen koennten, die Schoepfung und damit zummindest auch die Seele als das Gesamt jeden Lebens werde ewig sein, diese Verwirrung, wie so manche, gehoert zum Spiel. Es ist besser, es denkt einer er lebe ewig und wird dadurch besser, als dass er resigniert der Lebenskuerze wegen seinen Tanz stoppt. Und diese lebenswerte Hoffnung auf eine human-logische Ausgleichsgerechtigkeit in einem neuen Leben danach, wird ebenfalls als Illusion enden. Die reale Auferstehung in die Fuelle des " ewigen Lebens» wird einigen Verstaendigen einen Augenblick lang geschenkt, sobald sie einsehen: Eingehen in den gegenwaertigen Augenblick des Lebens ist die Fuelle, nicht jenes unersaettlich getraeumte Danach und Danach.
Gott sagt: Ich will das «Lied vom Menschen» hoeren und seinen Tanz sehen «hier und jetzt» und nicht ein Lied, das der Technik wegen ewig rotiert oder ewig spiralt. Erinnern und erwarten sind gut, aber beide gehoeren in die endliche Gegenwart. Der Druck vom wirklichen Ende erhoeht die Qualitaet des Augenblicks und dass Liebe endet entfacht das Feuer. «Einmalig» und nie wieder ist schliesslich ein hoher Wert.
Kaum hatte Gott den Gedanken vom total begrenzten Leben ausgesprochen, also den Menschen gesagt «Staub bist du und zum Staub kehrst du zurueck» (und zwar in allem und total); nichts, aber auch gar nichts wird uebrig bleiben, ueberleben, vor allem wenn dann auch das Universum ins Nichts zurueckfaellt… da fraegt ein huebsches Foto-Girl: Darum darf ich doch die ganze Welt fotographieren, damit wir auch nach dem totalen Untergang uns an den Fotos, den Selfies, erfreuen koennen. Und der Herrgott schuettelt nur den Kopf: unverbesserlich! Auch alle Technik und alle Fotos werden enden… und Du, das nach dem Untergang noch Fotos begeistert willst ansehen, Du bist fuer’s Ansehen gar nicht mehr vorhanden; weder im Himmel noch auf Erden; einfach total vorbei.
Das gibt einem Neuroscientist zu denken: Wenn also kein Bewusstsein mehr vorhanden sein wird, dann wird kein Wesen mehr an Gott denken, geschweige denn IHN verehren. Und Gott bestaetigt: Ja! Es genuegt mir, wenn ich mich in einigen Menschen fuer einige Augenblicke recht gut gespiegelt sehe. Ich hab nicht die Absicht, ewig in den Spiegel zu sehen, ein Augenblick, der mich erfreut, genuegt.
Das MAGNIFICAT atmet genau diese Ahnung.
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