Advent in den Zeiten des Terrorismus
«Advent als Zeit der Erwartung». Das ist sehr schön ausgedrückt. Doch: Ist es nicht ein Tun-als-ob? Wir warten auf die Geburt Jesu – die aber schon vor 2000 Jahren stattgefunden hat.
Ist aber Weihnachten nur ein geschichtliches Ereignis? Die Antwort gibt uns der schlesische Barock-Dichter Angelus Silesius mit seinem Sinnspruch: «Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.»
Oder anders ausgedrückt: Das Fest der Menschwerdung Gottes lädt uns ein, selber immer mehr Menschen: d.h. mitmenschliche Menschen; mit einem Fremdwort ausgedrückt: solche mit Empathie, mit der Fähigkeit, sich in andere hinein zu denken. Konkret könnte dies in unsern Tagen heissen: Wir schauen nicht nur auf unsere Schwierigkeiten, Asylsuchende unterzubringen. Sondern wir fühlen uns in die Situation der Flüchtlinge hin. Wir fragen uns: Würde nicht auch ich fliehen, wenn dauernd in meiner Umgebung Bomben fallen? Oder wenn ich keinen Augenblick sicher bin, nicht von der Staatspolizei oder von Terroristen verhaftet und gefoltert zu werden?
Wenn wir solch einfühlsame Menschen sind, können wir von uns sagen, dass der menschenfreundliche Jesus in uns geboren wurde.
Advent als Zeit der Erwartung: Erst recht, wenn wir auf unsere Welt blicken, ist dies eine recht aktuelle Sache. Wir werden, wie es kürzlich jemand formuliert hat, «erschreckt über den erbarmungslosen Zustand der Erde». (Es folgt im Manuskript ein Abschnitt über die Zerstörung der Erde und die Klimakonferenz …)
»Erbarmungslos» ist das richtige Wort, wenn wir an den Terrorismus denken. Immer mehr wächst die Einsicht, dass Gewalt nicht durch Gegengewalt überwunden wird. Ich habe kürzlich eine erschreckende Statistik gesehen: Allein die USA haben für den Krieg im Irak Hunderte von Milliarden Dollar ausgegeben. Das Ergebnis: Der Teufel wurde mit Belzebul ausgetrieben. Es wird allgemein angenommen, dass ohne diesen Krieg die Terrorbande IS nicht entstanden wäre.
Und hier kommt eben die adventliche Erwartung auf den Friedensfürsten Jesus Christus ins Spiel: Die Hoffnung, dass die Welt statt auf Waffen immer mehr auf friedliche Weg der Konfliktlösung vertraut, wie Jesus sie uns in der Bergpredigt zeigt. Und diese nicht erst anwendet, wenn es –wie vielleicht jetzt – zu spät ist.
Sicher: Wie der kürzlich verstorbene Bundeskanzler Helmut Schmidt kann man allein mit der Bergpredigt nicht regieren. Aber, so wurde ihm entgegengehalten: Auch ohne oder sogar gegen die Bergpredigt ist die Welt nicht regierbar.
Darum: Wecken wir in uns die adventliche Hoffnung, dass die Welt endlich klüger wird und Wege beschreitet, wie Jesus und auch Mahatma Gandhi und Nelson Mandela gezeigt und sie beschritten haben.
(Rain LU, Sonntag 10 Uhr)
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