Abschied von meinem Freund Fernand Sepp Rausser
Gestern musste ich in Bolligen Abschied nehmen von meinem guten Freund Fernand Rausser, von allen seinen Bekannten «Sepp» genannt. Er war einer der bekanntesten Fotografen der Schweiz. Mit rund 70 Jahren gründete er den Wegwarte-Verlag – so dass wir ihn liebevoll spöttisch «Jungverleger» nannten.
Mit seinen fast 90 Jahren konnte er auf ein aussergewöhnliches Leben zurückblicken. Nur dies: 1997, nachdem sein Herz nur noch 10 Prozent arbeitete, bekam er ein neues Herz, das fast 20 Jahre schlug – wohl ein Schweizer Rekord. Vor 11 Jahren heiratete er seine Freundin Ursula, die dann mit ihm den Verlag betreute und auch in schweren Stunden sein treuer «Schutzengel» war –wie es in der Trauerfeier hiess.
Nachdem Sepp seinen Verlag gegründet hatte, suchte er jemanden, der ihm half, ein Buch über Leonardo Boff herauszugeben. Wir trafen uns zum Mittagessen. Bald äusserte er mir einen zweiten Wunsch: Ich solle doch ein Buch «Franz von Assisi für Ungläubige» schreiben – «für Leute, wie mich».
In der Abdankungsfeier wurde er als ein Mensch gewürdigt, der zwar nicht kirchenfromm war, aber von tiefer Frömmigkeit erfüllt. Es sei bezeichnend, dass in seinem Buch, in dem er an Gott Fragen wie Hiob stellte (»Warum mein Herr?) im Titel «MEIN Herr» stand.
Sepp war herzlich, kreativ – und ganz besonders witzig, schalkhaft und fröhlich. Hunderte werden ihn vermissen.
PS. an Ursula, die häufig diesen Blog liest und bisweilen kommentiert: Mein herzliches Beileid.
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