Abschied von der «Missionskirche»
Die Wirkungen, welche die Kirchenkonstitution des vergangenen Konzils auf die ehemaligen «Missionskirchen» hatten, können nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Der damalige Erzbischof Joseph Albert Malula von Kinshasa (1917-1989), der erste zairische Bischof, sprach von einer «wahrhaft kopernikanischen Wende im Verständnis der Kirche». Bisher sei das Zentrum der Pastoral die «Mission» gewesen, «ein beeindruckender Gebäudekomplex, geleitet von Priestern, die alles selbst bedachten und organisierten, in Übereinstimmung mit kirchlichen, pastoralen und kulturellen Traditionen ihrer Zeit und ihrer Ordensgemeinschaft … Da gab es auf der einen Seite die Spender der heilbringenden Sakramente: die Priester, Brüder und Schwestern, und auf der anderen Seite die Konsumenten: die Gläubigen, die die Sakramente empfangen. Allerdings kamen sie nicht allein wegen der Vorbereitung oder des Empfangs der Sakramente zur Missionsstation, sondern auch wegen aller möglichen sonstigen Dienste.»
Anders das erneuerte Bild der konziliaren Ekklesiologie: «Eine Kirche, die sich als Volk Gottes versteht, als Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben, in der jeder Einzelne kraft seiner Taufe berufen ist, in der Gemeinschaft Verantwortung für das Leben und das Wachstum des gesamten Leibes zu übernehmen. Daraus ergibt sich eine Pastoral der Communio, der Gemeinschaft. Die Kirche als Pyramide kehrt sich um.» Für den aus dem sozio-kulturellen Kontext der Bantukultur stammenden Malula entsprach das Verständnis von Kirche als Volk Gottes besonders auch der Mentalität seines Volkes, das den Familiensinn pflegt und für das Gemeinschaft kein leeres Wort ist.
(Giancarlo Collet)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


