Philip Steiner

Abschied vom Spital

Am Mittwoch stand mein letzter Seelsorgeeinsatz des Semesters auf dem Programm. Jeweils mittwochs fuhr ich zusammen mit meinem Mitstudenten und guten Freund Br. Simon nach Evansville, der drittgrössten Stadt im Bundesstaat Indiana, um im dortigen St. Mary’s Hospital Patienten zu besuchen. In meinem Blog von Mitte November 2012 habe ich bereits darüber geschrieben.
In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Es werden wohl mehrere hundert Menschen sein, die ich in den vergangenen Monaten dort angetroffen habe. Jeder der Besuche war einzigartig und ich habe ganz unterschiedliche Leute angetroffen. Die bis zu zwanzig Patientenbesuche pro Nachmittag waren für mich als eher introvertierten und mit einem sprachlichen Handicap belasteten Seelsorger teilweise eine ziemliche Herausforderung. Doch wie so oft im Leben, erweisen sich die grössten Herausforderungen als Möglichkeiten, ungeahnte Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Es überrascht deshalb nicht, dass die positiven Begegnungen mit den Patienten und ihren Angehörigen bei weitem überwogen. Manche Begegnungen werden sogar unvergesslich bleiben, denn einige schwerkranke Patienten beeindruckten mich so stark mit ihrem tiefen Glauben und ihrer ruhigen Gelassenheit, dass es manchmal nicht mehr einfach war zu sagen, wer nun für wen Seelsorger ist.
Ebenfalls bereichernd war die Zusammenarbeit mit den acht Männern und Frauen, welche hauptberuflich als Seelsorger im St. Mary’s Hospital arbeiten. Man merkt bei diesen Menschen, dass sie ihren Beruf wirklich als ihre Berufung verstehen und mit Herzblut für die Patienten und deren Angehörige da sind.
Zusammen mit einem weiteren Seminaristen aus St. Meinrad wurden Br. Simon und ich sehr gut im Team aufgenommen. Dabei konnten wir sogar freundschaftliche Bande knüpfen, welche über die blosse Zusammenarbeit im Spital hinausgingen. So wurden wir von John, einem der drei protestantischen Spitalseelsorger, zu seinem Sonntagsgottesdienst eingeladen. Br. Simon hat die biblischen Lesungen vorgetragen und ich durfte ein Gebet sprechen. Unsere Zusammenarbeit im Spital hatte also auch eine ökumenische Dimension.
Ich bin wirklich dankbar für die vielfältigen Erfahrungen, die ich im St. Mary’s Hospital machen konnte. Sicher werden sie mir in der Seelsorge in der Heimat sehr hilfreich sein.
fr. Philipp

26. April 2013 | 16:34
von Philip Steiner
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