Abschied vom «Korsett der Tradition» (F.X. Kaufmann)
«Die letzten 50 Jahre sind eine Zeit des Traditionsverlustes, der Optionserweiterungen und der Liberalisierung der privaten Lebensverhältnisse. Das betrifft insbesondere die Bereiche von Sexualität, Ehe und Familie, aber auch der Religion.»
So schreibt der bekannte Religionssoziologe Franz Xaver Kaufmann (Bruder meines Freundes und journalistischen Vorbildes Ludwig SJ) im Jubiläumsbuch der Zürcher Landeskirche. Weiter warnt er davor, den Wandel nur als Unmoralität zu werten::
«Während das Berufsleben für die meisten Menschen grössere Disziplin und höheren Einsatz als je zuvor fordert, haben sich die strengen Verbindlichkeiten im Raum des Privatlebens gelockert. Man sollte dies nicht als Werteverlust oder gar zunehmende Unmoralität in der Bevölkerung verstehen. Was die Werte betrifft, so resultiert ihre gelockerte Verbindlichkeit eher aus einer Werteinflation. Die werthaften Optionen sind stark gewachsen, und sie stehen in Konkurrenz zueinander, insbesondere in Konkurrenz um Zeit und Aufmerksamkeit. Die traditionellen strengen Verbindlichkeiten wurden zunehmend als ein zu eng werdendes Korsett empfunden, vor allem von den Frauen.»
Fortsetzung morgen.
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