Konzilsblogteam

Der päpstliche Hof … auf dem Weg zur Erneuerung

Am 29. September 1963 wird die zweite Konzilssession feierlich eröffnet. Wie schon bei der ersten Eröffnungsfeier sind nicht alle glücklich mit der Zeremonie. Congar gibt dafür eine ekklesiologische Interpretation: «Zwischen zwei Reihen von stummen Bischöfen und Zuschauern zieht der päpstliche Hof vorbei, kostümiert wie im 16. Jh., und geht einem Papst voraus, der so als Souverän zeitlicher Art und als Hierarch erscheint, als Hierarch, der schlechterdings ‹über› angesiedelt ist (comme hiérarque AU-DESSUS, seulement au-dessus). … Wie lange behält die Kirche dieses Gesicht?» (Co 1,402).
Was Congar zwar erwähnt, aber nicht positiv würdigt: Papst Paul VI. zieht zu Fuss in die Konzilsaula ein. Auch sonst ist die Zeremonie nüchterner ausgefallen als im Vorjahr.
Auch die Eröffnungsrede Papst Pauls VI. (AS 2/1,183-199) schlägt Töne an, die aufhorchen lassen. Er stellt dem Konzil die prioritäre Aufgabe vor Augen, das Thema Kirche zu behandeln, und breitet dafür – wie es später LG 6 tun wird – eine Vielzahl von Bildern aus. Nachdrücklich ruft er zur Erneuerung der Kirche auf. Dabei deutet er an, dass er sich (unbeschadet der eigenen primatialen Vollmacht) vorstellen kann, dass die Bischöfe dem Papst in der Leitung der Kirche in einem noch näher zu bestimmenden angemessenen Modus wirksamer und bewusster beistehen könnten. Im Blick auf die Spaltung der Kirche bittet er für die römisch-katholische Kirche, wo sie schuldig geworden ist, um Vergebung, und erklärt sich für sie umgekehrt als vergebungsbereit.
Diese wegweisenden Worte werden, vor allem hinsichtlich der letzten beiden Aspekte, von manchen Konzilsvätern aufgenommen werden.
(emf)

29. September 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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