Hans Leu

Die Ahnung von der Pluralitaet der Propheten.

Die Propheten sind Offenbarer. Sie praesentieren uns in Wort und Tat den Heiligen Gott. Sie ahnen
und wissen und geben es kund… all das, was sie fuer «Gott» halten. Sie selber predigen und sagen dabei:
«Gott spricht…» oder: «Das Wort des lebendigen Gottes». Sie selber sind symbolisch taetig und wollen damit das Handeln Gottes zeigen. Sie sind Propheten des Heils und des Unheils, so wie der Jahwe-Gott des Noah zerstoert und rettet.

Einige Propheten haben einen Ehrenplatz in Heiligen Schriften gefunden (wie Isaias), einige sind historisch ins Gedaechtnis der Menschheit geschrieben (wie Nelson Mandela) und heutige Propheten sind (wie immer) noch im Status der Ungewissheit. Die Menschheit verdankt den Propheten sehr viel. Einige sind wie Volks-Erzieher (Don Bosco), einige warnen vor dem Untergang (wie Jonas), einige sogar zeigen Wege ins Heil (wie Mahatma Ghandi) – und einige bringen ihr Wort und ihre Tat zur Uebereinstimmung (wie JvN).
Isaia ist so ein hervorragender Prophet wie Mandela oder wie Etty Hillesum; aber im Christentum konzentrieren wir uns im Advent stets auf den Wuesten-Johannes und dies wegen dem beruehmten Aufruf: «META-NOIA«. Dieser Aufruf unterliegt der Interpretation. Ich verstehe ihn so: «denkt um und erkennt: das Himmelreich ist nun tatsaechlich auf Erden moeglich geworden, denn es ist in eure Haende uebergeben».  Es liegt nun an euch…
Und dann wird der Wuesten-Johannes zum Finger Gottes: Er weist auf Jesus hin, also auf den, der dann das Himmelreich auf Erden urspruenglich und anfaenglich in die Tat umsetzt. «Urspruenglich» weil Jesus das Wort Gottes als das kreative Wort anerkennt und «anfaenglich» weil Jesus dieses Wort verkoerpert.

Wir sind eingeladen die Propheten zu entdecken als «Zeichen der Zeit» und unter ihnen einige als «Ueber-Ich» auszuwaehlen. Diese Propheten-Entdeckung (Mt 11.2-11) hat auch den Wuesten-Johannes stark beschaeftigt. Es wurde ihm geraten: «Hoeren + Sehen» ist die Strategie. Wo Leben aufblueht, da ist der Prophet zu finden, der den Weg in die Fuelle des Lebens bereitet.

Und doch – in all dem Prophetentum bleibt hartnaeckig die FRAGE: Woher haben all diese Propheten ihre Weisheit, ihre Kraft, ihren Mut? Die Bedeutung des vielfaeltigen Prohetentums in der kulturellen Evolution ist evident, aber noch nicht veroeffentlicht:
Mutter Teresa von Kalkutta (in der Duerre durchhalten); Nelson Mandela (verzeihen, nicht vergessen); Dietrich Bonhoefer (saekular leben – als ob es Gott nicht gaebe); Hildegard von Bingen (Das Spiel der Kraefte); Karl Rahner (die Transzendenz in der Immanenz); Theresa von Lisieux (Mission anders); Carles de Foucauld
(Nazareth ist ueberall); Thomas Sankara (Ministry of Water); Rupert Neudeck (radikales Christentum); Erasmus von Rotterdam (Humanismus); R.M.Rilke (Reiten durch die Zeit); Yves Congar (Katholizitaet); Martin Buber (Leben ist Begegnung); Thomas Merton (ein weltweiter Moench);
um nur einige Namen zu nennen, die mir viel bedeuten.

Das Geheimnis dieser Propheten ist noch nicht gelueftet. Ihre Strahlen wirken stark…  aber wie kommt es, dass sie als Menschen das Geheimnis «Gott» ausstrahlen, offenbaren koennen??? «Wir fassen das Ganze im Fragment» (sagt HUvB); das ist philosophisch schon klar; aber faktisch wohl nur, wenn das Fragment auf alle Fragmente und auf das Ganze hin offen ist. Es muss an der Er-Oeffnung liegen…
All die Propheten  /  die vielen  /  die verschiedensten  /
singen  /  in Wort und Tat  /  das eine Lied:
«In der welt-weiten Oeffnung  /  im Blick auf Himmel und Erde  /
als Ich im Wir  /  werden wir  /  wahrgenommen  /
als Verkoerperung  /  des Geistes  / des lebendigen Gottes».

Das Lied singen und wahrnehmen
4. Dezember 2016 | 16:35
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 2  Min.
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