Schulen – Ferien – Hausaufgaben
Ihren Sommerurlaub 1963 verbrachten die Dominikaner Yves Congar und Henri-Marie Féret nahe des Genfer Sees im savoyischen Notre-Dame des Voirons. Féret (1904-1992), der seit den 1930er Jahren in der Dominikanerhochschule Le Saulchoir mit Congar und Marie-Dominique Chenu ein theologisches «Trio» bildete, erstellte während dieser Tage ein auf den 28. August 1963 datiertes Gutachten zum Schema De Revelatione.
In der Widmung des dem Bischof Elchinger zugeeigneten Exemplars bezeichnet er es als seine «Ferienhausaufgabe». So umfangreich das Gutachten war, so gering dürfte einerseits sein direkter Einfluss gewesen sein. Andererseits erinnert es gerade so an zentrale Dimensionen des Konzils als Kommunikationsereignis: erstens arbeiteten «hinter den Kulissen» unzählige Theologen für «ihre» Bischöfe die konziliaren Debatten auf. Féret war Berater des Bischofs von Saint-Claude im französischen Jura, Claude Flusin bildete seinerseits mit den Bischöfen Paul-Joseph Schmitt (Metz), Pierre Boillon (Verdun) und Léon-Arthur Elchinger (Strassburg) eine informelle bischöfliche Arbeitsgruppe. Wenn zweitens das Traditionsverständnis Férets deutlich von demjenigen Congars geprägt ist, so verweist dies auf die Rolle theologischer «Schulen» – im weiteren wie im engeren Sinne. Drittens zeigt der gemeinsame Arbeitsurlaub, dass die bekannten Konzilstheologen (hier: Congar) nicht ohne ihre theologischen und geistlichen Diskussionspartner (hier: Féret) zu denken sind. Zwar lassen kritische Bemerkungen in Congars Tagebucheintrag von Anfang August über Stil und Einflussmöglichkeit der Gutachten Férets die Frage aufkommen, ob Féret sich seine «Hausaufgaben» nicht mitunter selbst gestellt habe. Wie sehr allerdings eine solche vom II. Vaticanum ausgehende Motivation für das Konzil spricht, können alle jene besonders gut nachvollziehen, die aus beruflichen oder familiären Gründen mit Hausaufgaben zu tun haben.
(Michael Quisinsky; vgl. Qu 336-339)
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