Ein Rezeptionsauftrag für die Theologie
Theologisches Arbeiten muss nicht und soll nicht einfach nur in den Spielräumen lehramtlicher oder konziliarer Konsenstexte stattfinden. Theologie sei gefordert, über die Texte hinauszugehen, ihre Bruchstellen als Ansatzpunkte für Weiterentwicklung und Vertiefung zu sehen. Die unerledigten Aufgaben eines Konzils fordern die Theologie mit dem Konzil und darüber hinaus heraus. Karl Lehmann formuliert zur Differenz von Lehramt und Theologie: «Ein Konzil kann viele anstehende theologische Fragen nicht ausreichend lösen. Es ist hier auch abhängig von der Theologie der jeweiligen Zeit. (…) Dies kann Konzilien nicht angelastet werden, weil die theologische Einzelausarbeitung von Lösungen nicht ihre unmittelbare Aufgabe ist. Die Theologie sollte aber im Gefolge solcher unerledigt gebliebener Aufgaben diese auf ihre eigene Verantwortung hin mutig aufnehmen und weiterführen, wie es nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch in weiten Teilen geschehen ist. Dabei muss die Theologie zum Teil über die konziliaren Texte hinausgehen.» Lehmann relativiert aber auch die Bedeutung der Theologie:
«Dies darf jedoch nicht heissen, das Konzil sei nur rezeptiv im Blick auf die vorausgehenden theologischen Leistungen. In mancher Hinsicht gibt es auch Impulse, die nicht von der Gegenwartstheologie abgeleitet werden können, sondern sich anderen Anstössen verdanken. Dies gilt unter anderem für die Aussagen zur Ökumene, zu den Heilsmöglichkeiten für Nichtchristen, zur Religionsfreiheit und zu manchen anderen Dingen.»
(Karl Lehmann, in: Sonderheft «Zur Debatte» 3/2013, 2; ab)
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