Konzilsblogteam

Konzilsrezeption als Treue und Rückkehr zu einer offenen Baustelle

Die Texte des Konzils haben das Konzil nicht abgeschlossen. Die Geschichte der Texte und die Geschichtlichkeit der Texte müssen in ihrer Rezeption berücksichtigt werden. Wer das Konzil rezipieren möchte, muss mit dem bleibend Unfertigen des Konzils selbst rechnen. Karl Lehmann meint dazu: «Gerade beim Zweiten Vatikanum scheint es mir wichtig zu sein, dem Ausgangspunkt, also dem konziliaren Geschehen selbst mit seinen Resultaten, sehr genau nachzugehen. Die Uneindeutigkeit mancher Texte darf nicht zu einem Steinbruch werden, aus dem jeder auswählt, was ihm passt, sondern man muss die konkreten Bestimmungen der Konzilsaussagen mit ihren Kontexten selbst genau verfolgen. Sonst verlieren sie ihre Normativität. In diesem Sinne scheint mir die historisch-kritische Erschliessung des Konzils auch für eine systematische Fragestellung von grosser Bedeutung zu sein.
Es kommt noch ein weiteres Element hinzu. Ein Konzil vereinbart Texte, aber dabei bleibt es nicht. Ein Konzil schreibt Geschichte. Überall ist das gegenwärtige und das künftige Leben der Kirche auf vielen Ebenen mitbetroffen. Auch die gewesene Geschichte rückt oft in ein anderes Licht. […] Man muss […] immer wieder zu den Quellen zurück, die hier aber identisch sind mit der grossen Baustelle des Konzils».
(Karl Lehmann, in: Sonderheft «Zur Debatte» 3/2013, 2; ab)

18. August 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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