Xavier Rynne
Die Kirche – eine «Institution, der es an Transparenz mangelt», so befürchtet Kardinal Prosper Grech in seiner nun veröffentlichen Rede im Vorkonklave 2013. Die Transparenz war auch zu Konzilszeiten eine Herausforderung. Die Information der Öffentlichkeit und konkret die Zusammenarbeit mit den Medien liess zumal zu Anfang zu wünschen übrig. Während die einen (Bischöfe wie Journalisten; vgl. die Blogeinträge vom 15.10.2012 und vom 2.2.2013) eine bessere Information der Medien forderten, beklagten andere Indiskretionen.
Aufsehen erregten Presseberichte, die der Redemptorist Francis X. Murphy in nordamerikanischen Zeitungen veröffentlichte. Murphy war während des Konzils Dozent an der Accademia Alfonsiana der Redemptoristen. Als Konzilsberater vertraut mit den Vorgängen hinter den Kulissen scheute er nicht davor zurück, Intrigen und Manipulationen offenzulegen – wenngleich zum eigenen Schutz und zum Schutz seiner Informanten unter dem Pseudonym Xavier Rynne. Die Artikel erschienen während des Konzils ergänzt auch in Buchform und sind 1999 mit einem Vorwort des Autors neu herausgekommen (siehe unter Ry).
Während des Konzils konnte Rynne-Murphy seine Identität bleibend verbergen, wenngleich Personen in seinem Umfeld ihn durchaus im Verdacht hatten. Der Generalobere der Redemptoristen, Father William Gaudreau, sagte ihm bereits nach dem ersten dieser Artikel: «Murph, there are a number of expressions that sound like you». Auf die zurückhaltende Reaktion des Angesprochenen hin entspann sich ein weiterer Dialog: «It would be dangerous to be Xavier Rynne» – «Yes, Father, it would be dangerous» – «You are not Xavier Rynne» – «No, Father, I am not Xavier Rynne; I am Francis Murphy» (Ry XI).
Es ist zu vermuten, dass der Generalobere sehr wohl wusste, dass Murphy zwar nicht Xavier Rynne war, aber unter seinem Namen schrieb, doch blieb Murphy unbehelligt. Günther Wassilowsky urteilt im Rückblick: «M[urphy]s Kommentare und Analysen gehören zu den treffendsten des konziliaren Medienereignisses und hatten durchaus Einfluss auf die Geschehnisse und Wahrnehmungen des Konzils selbst» (PersLex 196).
(emf)
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