Die US-Bischöfe und ihr katholischer Präsident
Am 6./7. August 1963 versammeln sich die US-amerikanischen Bischöfe in Chicago, um die Schemata für die nächste Konzilssession gemeinsam zu prüfen. Ihre Aufmerksamkeit gilt aber insbesondere einem Dokument, das ihnen nicht vorliegt: dem 5. Kapitel von De oecumenismo, das über die Religionsfreiheit handelt (und später zur Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae führen wird). Die Bischöfe entscheiden sich, dem Papst einen Brief zu schreiben, indem sie darauf drängen, die Religionsfreiheit zum Thema des Konzils zu machen (vgl. A 3,23).
Die Haltung der US-amerikanischen Bischöfe zum Thema Religionsfreiheit steht vor dem Hintergrund einer Geschichte, die ganz anders geartet ist als die europäische. In Amerika war die Religionsfreiheit seit 1791 in der Verfassung verankert. Die europäische Konfliktgeschichte zwischen der römisch-katholischen Kirche und den im Kontext der Französischen Revolution vertretenen Freiheitsrechten ist in Amerika fern. Das System einer kooperativen Trennung von Kirche und Staat hatte sich bewährt.
Jedoch war in den 50er Jahren John Courtney Murray als Verfechter der Religionsfreiheit ins Visier des Heiligen Offiziums geraten. 1955 erhielt er das Verbot, über diese Frage noch weiter zu publizieren.
Als John F. Kennedy als Katholik für die Präsidentschaft kandidierte, wurde die katholische Lehrposition jedoch zum Problem. Kann ein Katholik, der der Kirche zu gehorchen hat und für die Unterdrückung aller Nicht-Katholiken eintreten muss, Präsident werden? Gerade vor diesem Hintergrund machten sich die amerikanischen Bischöfe in der Konzilsdiskussion für die Religionsfreiheit stark. «Besonders im Licht der zurückliegenden Wahl Kennedys waren die meisten von ihnen zu der Überzeugung gekommen, dass das Konzil handeln müsse» (OM 213).
(emf)
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