Heinz Angehrn

Der Turm zu Babel (VR11)

Der uralte Mythos vom Turmbau zu Babel (Gen 11) hilft uns dabei, diese Einsicht zu vertiefen. In der Vorstellungswelt des Verfassers dieses Textes war Gott so entsetzt über den Hochmut und die Selbstüberhebung des Menschen (symbolisiert am Bau des Turmes – «werden wie Gott» als Grundversuchung des Menschen, vgl. dazu schon Gen 3), dass er die Menschheit in eine Vielzahl von unterschiedlichen Sprachgruppen, die sich nicht mehr verstehen konnten, auseinanderdividierte. Die vielen Sprachen wie auch die vielen Religionen können so – wenn man die Menschheitsgeschichte als Individuationsgeschichte eines Kollektivs liest – als pädagogische Massnahme, um ein Kleinkind nicht am eigenen Können scheitern zu lassen und bewusst langsam erwachsen werden zu lassen, verstanden werden.

19. Oktober 2016 | 06:00
von Heinz Angehrn
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