Eine kopernikanische Wende
Über die Suchfunktion lässt sich herausfinden: Bereits zweimal wählten Autoren des Konzilsblogs das Motiv einer «kopernikanischen Wende». Gebräuchlich ist diese Bezeichnung auch für einen Umbruch, der am 4. Juli 1963 eingeleitet wird.
Kardinal Suenens schlägt in der Sitzung der Koordinierungskommission vor, in der Kirchenkonstitution ein Kapitel über das Volk Gottes dem Kapitel über die hierarchische Verfasstheit voranzustellen, «was man heute als die kopernikanische Wende des Schemas bezeichnet» (Leo Declerck).
Das Kapitel über das Volk Gottes entsprang der Idee, das Kapitel über die Laien zu teilen und in einem eigenen Kapitel über das Volk Gottes all das zu schreiben, was für alle Gläubigen gemeinsam gilt, während ein weiteres Kapitel über die Laien im besonderen handeln würde. Mit der Anordnung der Kapitel aber wurde eine neue ekklesiologische Gewichtung sichtbar: Nicht mehr die Stände und Hierarchien in der Kirche bildeten den Ausgangspunkt der Darstellung der Kirche, sondern die ganze Kirche als «Volk Gottes».
Dieser Vorschlag wird von der Koordinierungskommission positiv aufgenommen, jedoch noch nicht in die Textgestalt umgesetzt. Er wird aber den Konzilsväter mit der Versendung des neuen Textentwurfs im Juli 1963 bereits mitgeteilt (vgl. AS 2/1,256).
(ab/emf; Zitat von Declerck aus: Pfister, Peter [Hrsg.]; Treffler, Guido [Red.]: Julius Kardinal Döpfner und das Zweite Vatikanische Konzil. Vorträge des wissenschaftlichen Kolloquiums anlässlich der Öffnung des Kardinal-Döpfner-Konzilsarchivs am 16. November 2001. Regensburg: Schnell & Steiner, 2002 [Schriften des Archivs des Erzbistums München und Freising 4], 34)
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