Paul VI. hält die Karten verdeckt
Die ersten Schritte des neuen Papstes: Welchen Weg würde er einschlagen, welche Rolle dem Konzil geben? Johannes XXIII. hatte gewissermassen mit Gottvertrauen ein Konzil «losgetreten» ohne die Folgen abzusehen. Paul VI. musste jetzt dem Konzil und der in Bewegung geratenen Kirche eine Richtung geben. Seine Strategie und seine Positionen blieben lange undeutlich. Paul VI. nutzte Kontakte in alle Richtungen. Er band wichtige Kurienvertreter ein und setzte sie an Schaltstellen, so Kardinalstaatssekretär Cicognani, der noch lange über das Konzil hinaus Einfluss auf seine Umsetzung nehmen sollte (siehe Konzilsblog vom 19.02.2013).
Paul VI. übertrug aber auch anderen Personen wichtige Aufgaben: Kardinal Suenens sollte Legaten ernennen als unmittelbare Kontaktpersonen zwischen Papst und Konzil – eine wichtige Position, damit das Konzil zum Papst durchdringen konnte. Kardinal Döpfner sollte ein Gutachten erstellen, um die Zahl der Schemata weiter zu reduzieren. Kardinal Lercaro sollte Vorschläge für eine neue Geschäftsordnung ausarbeiten. Andere wurden aufgefordert, dem Papst beim Verfassen einer Enzyklika über die Kirche zu helfen – parallel zur Suche des Konzils nach einer erneuerten Ekklesiologie!
Paul VI. blieb undurchsichtig. Dies entsprach einem Rollenverständnis, das er in einer Meditation im Juli 1963 so ausdrückt:
«Wie eine Statue, nein, besser: wie ein lebendiger Mensch, der ich bin, oben auf einer Fiale postiert… Ich muss diese Einsamkeit betonen: Ich darf keine Angst haben, darf keine äussere Stütze suchen, die mich entlasten könnte von meiner Pflicht, die darin besteht zu wollen, zu entscheiden, alle Verantwortung auf mich zu nehmen, die anderen zu führen, auch wenn dies unlogisch und vielleicht absurd erscheinen mag. Trost spendende vertrauliche Beziehungen kann es nur wenige und diskrete geben: Was tief in meinem Geist vor sich geht, bleibt bei mir. Ich und Gott.» (A3, 6, FN 16)
(ab; A3,5f.)
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