Die Fremde lag 5km entfernt
Neulich musste ich schmunzeln, als mir ein 86-jähriger Mitbruder erzählte, er sei als Jugendlicher «in der Fremde gewesen»: auf dem Bauernhof seines Onkels, im Nachbardorf, etwa 5 Kilometer von zuhause entfernt.
Und ich finde es seltsam, wenn ein braver Bürger jammert, er könne nicht schlafen, wenn er nicht im eigenen Bett liege.
Wie sollen solche Menschen sich in andere Menschen einfühlen, die Tausende und Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt leben müssen; für die alles ungewohnt und völlig fremd ist: Nicht nur die Betten, sondern die Nahrung, die Sprache, die Bräuche, einfach alles.
Zur Nahrung: Da fällt mir ein Cousin ein, der drei-vier Tage in Italien war und fast verhungert ist: «Es gab nur Tschingge-Choscht!»
Ich weiss: Der Zusammenhang zwischen eigenen Erfahrungen von Fremdheit und der Empathie gegenüber Fremden ist alles andere als neu. Er steht schon im Alten Testament, wenn es beispielsweise in Deuteronomium 10,19 heisst: «Ihr sollt die Fremden lieben. Denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.»
Sehe ich es zu optimistisch: Wenn die «Eidgenossen» – so nennen sich einige Schweizer Bürger stolz – etwas «fremder» gewesen wären, zeigten sie mehr Offenheit gegen Asylsuchenden.
Und noch einige eigene Aphorismen
-Im Ausland sind alle Schweizer Ausländer.
-»Fremdenfreundlichkeit» steht nicht im schweizerischen, «Leibfreundlichkeit» nicht im katholischen Wörterbuch.
-Nationalität: Was waren unsere Vorfahren, als es noch keine Schweiz gab.
-Wenn die Schweiz am Meer läge, wäre ihr Horizont grösser.
-Die Schweiz hat mehr Ausland als die grösseren Länder.
-Frage zum 1. August: Wann wurde der erste Schweizer erschaffen?
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