Konzilsblogteam

«Vom Zauber des Anfangs und von der Geduld auf dem Weg»

Karl Kardinal Lehmann gibt im diesjährigen Korrespondenzblatt für die Alumnen und Ehemaligen des Päpstlichen Kollegs Germanicum et Hungaricum in Rom einen wertvollen Einblick in seine Germanicums-Jahre von 1957 bis 1964. Er schreibt über Pius XII. und Johannes XXIII.: «Als man Pius XII. mit grossem Dank für die Steuerung des Schiffleins Petri in den schweren vergangenen 20 Jahren begraben hatte, war bei allem Vertrauen zur Führung der Kirche durch Gottes Geist die Unsicherheit über den nun einzuschlagenden Weg gross: In gewisser Weise hatte Papst Pius XII. sich auch überlebt. Wir Theologen schauten erwartungsvolle in die Zukunft, wir waren aber nicht wenig enttäuscht, als die Kardinäle am 28. Oktober des Jahres 1958 den damals 77-jährigen Patriarchen von Venedig, Angelo Giuseppe Roncalli aus der Nähe von Bergamo, zum Nachfolger wählten […]. Man redete nach der Wahl von Johannes XXIII. fast etwas verächtlich vom ‹Übergangspapst› […]. Der Papst findet überraschend schnell in sein ganz neues Amt hinein […]. Die grösste Überraschung erfolgte jedoch am 25. Januar 1959 in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern am Fest der Bekehrung des Apostels Paulus mit der Ankündigung des Konzils […]. Wir waren – fast könnte man das sagen – aus dem Häuschen. So etwas hatten wir beileibe nicht erwartet […].
Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Zeit von 1958 bis zur Eröffnung des Konzils für mich damals fast wichtiger war als die Konzilszeit selbst, einschliesslich der Zeit danach. Es war ein einmaliger, unerwarteter Aufbruch mit so vielen Überraschungen, wie wir dies nie zu hoffen wagten […].
Am Schluss muss nochmals der Blick zurück zu Johannes XXIII. gehen. An seiner Gestalt und mit Blick auf seinen Weg habe ich bis heute viel gelernt. Gewiss hat er aufgrund des vorgerückten Alters die Verantwortung als Papst nicht lange wahrnehmen können. Aber in den gut viereinhalb Jahren seines Pontifikates hat er in einer unglaublichen Weise die Kirche und ihre Position in der Welt zum Positiven verändert.»
(ufw / Karl Kardinal Lehmann: Vom Zauber des Anfangs und von der Geduld auf dem Weg. In: Korrespondenzblatt Collegium Germanicum et Hungaricum 122 [2013] 58–63)

13. Juni 2013 | 00:06
von Konzilsblogteam
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