Karin Reinmüller

Grenzen – akzeptieren oder überschreiten?

So ein Umzug und Neuanfang ist keine ganz einfache Sache – da merke ich manchmal, wie mir Dinge schwer fallen und wie ich an Grenzen stosse. Und dann versuche ich, herauszufinden, wie ich mit dieser Grenze, die da vor mir steht, am Besten umgehe.

Eigene Grenzen dauerhaft nicht zu respektieren, hat schon viele Menschen in die Überlastung und daraus entstehende Erkrankungen getrieben. Andererseits – das dauernde Verharren in der eigenen Komfortzone, sozusagen auf dem Sofa, führt zu Perspektivlosigkeit: Wenn ich nur noch darauf bedacht bin, meine Grenzen zu achten, dann bin ich nicht mehr offen für neue Herausforderungen, dann traue ich mir selbst nichts mehr zu. Und ich bin ja nicht zuletzt in diesem Jahr, um mal zu sehen, wie das ist, Dinge zu machen, die ich noch nie zuvor getan habe.

Also versuche ich meistens, wenn ich merke, da wird etwas schwierig, grenzwertig, als erstes einmal, über die Mauer, die da vor mir steht, zu klettern. Manchmal geht das gut und ich stelle fest, ich kann mehr, als ich von mir selbst vermutet hätte. Aber manchmal hole ich mir nichts als blutige Fingernägel bei meinen Versuchen – und die Erkenntnis, dass ich über diese Mauer nicht komme. Dass das eine ist, die ich akzeptieren muss, auch wenn mir selber noch so lieb wäre, ich würde auf der anderen Seite stehen, froh, mal wieder was geschafft zu haben. Grenzen überwinden ist schön – Grenzen akzeptieren ist wahrscheinlich wichtig.

Flüchtlingszentrum Ragusa/Sizilien (Bild: Karin Reinmüller)
5. September 2016 | 21:46
von Karin Reinmüller
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