Karin Reinmüller

Ist das ein nicht-Standard-Weg?

Dass mir der «Planet Pfarrei» noch ziemlich unbekannt ist, steht in meiner Vorstellung. Das sollte eine Erklärung bekommen:

Ich bin in einer nicht praktizierenden (noch dazu lutherischen) Familie aufgewachsen, als Jugendliche hätte ich mich wahlweise als Atheistin oder Buddhistin mit Neigung zur Esoterik bezeichnet. Mit Gott bewusst zu tun bekommen habe ich mit 18, da wurde ich klassisch missioniert: Ich wurde von jemand angesprochen, der mit mir über Jesus reden wollte. So war ich erst einmal in einer intensiven charistmatischen Gruppe, dann in einer ebensolchen WG, darauf folgte ein halbes Jahr Mitleben in einem evangelischen Kloster (http://schwanberg.de/V_Communitaet), wo ich die benediktinische Spiritualität für mich entdeckt habe. Während meines ersten Studiums kam Ignatianisches dazu, erst in der Hochschulgemeinde, dann in Gruppen, in denen wir versucht haben, unseren Glauben lebensrelevant zu machen – und umgekehrt. Und so ähnlich ging es weiter – immer war ich im Kontakt zu Klöstern, (Ordens-)Gemeinschaften, Glaubensgruppen, aber von kleinen Ausnahmen abgesehen, nie in eine Pfarrgemeinde eingebunden.

Und jetzt fange ich an, in einer Pfarrei zu arbeiten. Unter Menschen, die, in meiner Vorstellung, in dieser Glaubens-Umgebung gross geworden sind und ihr ganzes Leben dort verbracht haben. Könnte aber sein, dass ich da nicht ganz richtig liege: Vor einigen Jahren habe ich mit anderen Theologiestudierenden eine angeleitete Meditation mitgemacht, in der wir unseren Glaubensweg nachgehen sollten – der wurde uns ganz klassisch vor Augen gestellt, wir sollten uns an unsere ersten Gebete mit den Eltern erinnern, an unseren Kinderglauben, die Erstkommunion, dann unsere Glaubensentwicklung als Jugendliche – und erst als die Anleitung beim Alter «junge Erwachsene» angekommen war, da konnte ich mich wiederfinden. Und dann war die Meditation auch schon vorbei. Aber: In der anschliessenden Austauschrunde stellte sich heraus, dass ich nicht allein war, die Hälfte der Mitglieder unserer Gruppe hatte einen «Nicht-Standard-Weg» hinter sich. Wege wie unsere sind gar nicht so aussergewöhnlich, wie sie manchmal erscheinen, sie sind nur sehr individuell und lassen sich schwer in eine für alle passende Meditationsanleitung einfügen.

Chanukka Jerusalem | (c) Karin Reinmüller
14. August 2016 | 20:04
von Karin Reinmüller
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