Brüder im Geiste
Zur theologischen wie geistlichen Dimension des II. Vaticanum gehört auch ein schwer zu fassendes Phänomen, das man als kongeniales Zusammentreffen und –wirken diverser Akteure bezeichnen könnte. Eine solche Konstellation liegt wohl auch im Falle von Johannes Willebrands, dem Sekretär des Einheitssekretariates, einerseits, und Lukas Vischer, dem vom ÖRK entsandten «Beobachter» des Konzils, andererseits vor. Beide waren sowohl gewissenhafte und treue Zuarbeiter ihrer Vorgesetzten – im Falle Willebrands der Präsident des Einheitssekretariates Kardinal Bea bzw. der Generalsekretär des ÖRK Willem Adolf Visser’t Hooft im Falle Vischers – als auch ihrem eigenen theologischen Gewissen verpflichtete ökumenisch gesinnte Akteure des Konzils. Eine besonders intensive Begegnung beider fand am 29. April 1963 statt. Hier wurde eine Linie besprochen, wie sie in der Folge weit über das Konzil hinaus die Zusammenarbeit von römisch-katholischer Kirche und ÖRK prägte : «17 Uhr: Unterredung mit Lukas Vischer im Sekretariat. Hinsichtlich der praktischen Zusammenarbeit mit dem ÖRK und der grundsätzlichen Probleme, die sich diesbezüglich ergeben: nicht Mitglied des ÖRK werden, aber dennoch sich in der Zusammenarbeit engagieren» (Wil 15). Vorausgegangen waren seit dem 25. April («Lukas Vischer ist in Rom eingetroffen» [Wil 14]) gemeinsame Treffen Willebrands und Vischers u.a. mit Kardinal Marella (Vorsitzender der Bischofskommission), George A. Lindbeck (Professor in Yale und nichtkatholischer Beobachter des Konzils), Josef Höfer (Botschaftsrat an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl) und Achille Glorieux (Sekretär der Kommission für das Laienapostolat).
(Michael Quisinsky)
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