Das Tagebuch von Jan Willebrands
Das Konzilstagebuch des wichtigsten Mitarbeiters von Augustin Kardinal Bea im Sekretariat für die Förderung der Einheit der Christen, Johannes Gerardus Willebrands, ist streckenweise sehr nüchtern. Willebrands notiert oft nur, bei wem er war, wem er begegnet ist oder mit wem er telefoniert hat. Schon dies ist aber oft überaus aufschlussreich, zeugt es doch von dem vielfältigen Beziehungsnetz, welches das Einheitssekretariat aufgebaut hat. Ausserdem notiert Willebrands mitunter Ereignisse des Tages, selbst wenn er darin nicht direkt involviert ist.
Machen wir eine Stichprobe bei den Tagebucheinträgen Ende April. Am 20. April 1963 zeigt der erste Eintrag dieses Tages, wohin die Gedanken Willebrands’ neben seinen eigenen Aktivitäten auch noch wandern: Seine erste Notiz betrifft die Zusammenkunft der afrikanischen Kirchen vom 20.-30. April 1963 in Uganda.
Mehrmals in diesen Tagen ist Willebrands bei Kardinal Cicognani, dem Vorsitzenden der Koordinierungskommission. Thema ist der Entwurfstext für das Konzilsdokument über den Ökumenismus. Am 20. April geht es speziell um den neuen Abschnitt über die Protestanten. Dabei kommt auch der Brief von Julius Kardinal Döpfner vom 9. April 1963 zur Sprache. Am 27. und nochmals am 29. April wird Willebrands wegen letzter Modifikationen wieder zu Cicognani gerufen – was ihn etwas entnervt, da Papst Johannes XXIII. bereits am 22. April die Zustimmung zum Versand des Textes gegeben hatte.
Mehrmals im April trifft Willebrands mit dem ukrainischen griechisch-katholischen Metropoliten Josyf Slipyj zusammen. Dieser war von 1945 bis 1963 in Haft gewesen und aufgrund der Kontakte zwischen Papst Johannes XXIII. am 23. Januar 1963 ins Exil freigelassen worden. Willebrands hatte ihn aus Moskau nach Rom begleitet.
Auffällig viele Schweizer kommen im April mit Willebrands zusammen. Wir lasen davon schon am 20. April. Am 27. April erhält Willebrands Besuch von P. Henri de Riedmatten, Mitarbeiter bei der Koordinationsstelle für internationale katholische Organisationen. Am 29. April wird Willebrands nochmals einem prominenten Schweizer begegnen.
(emf)
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