Jesus warnt vor den Gefahren des Reichtums
Eine sehr eindrückliche Geschichte erzählt uns Jesus im heutigen Evangelium. Ein Bauer freut sich über seinen Reichtum und beschliesst, diesen zu geniessen; sich am Leben im Wohlstand zu erfreuen. Doch es kommt ganz anders: Der Mann stirbt und muss seinen ganzen Reichtum zurücklassen. Oder wie der Volksmund sagt: «Das letzte Hemd hat keine Taschen.»
Über diese Geschichte zu predigen scheint sehr einfach. Denn über die Gefahren des Reichtums zu reden, ist leicht. Aber dieses Reden löst oft Gegenreaktionen aus:
- Rasch kommt der Vorwurf, man sei links oder sogar ein Kommunist.
- Oder es wird einem Neid vorgeworfen so nach dem Motto: «Eigentlich wärest auch du gerne so reich.»
Um diesen Vorwürfen zu entgehen, rufe ich einen unverdächtigen Zeugen an: einen Heiligen, der lange vor unserer Zeit und vor dem Aufkommen des Kommunismus gelebt hat: Es ist der Bischof und Kirchenlehrer Basilius der Grosse, der schon zu Lebzeiten so genannt wurde. Er gilt als eine der grössten Gestalten der ganzen Kirchengeschichte. In vielen seiner Predigten hat er über den Reichtum gesprochen. Hier nur einige wenige Sätze daraus:
- «Wenn jeder nur das nähme, was er nötig hat, und das Übrige den Armen liesse, dann gäbe es weder Reiche noch Arme.»
- Basilius geht dann auf den Einwand der Reichen ein, ihr Reichtum sei ihnen von Gott geschenkt – übrigens eine Argumentation, die in Lateinamerika oft von Sekten vorgebracht wird. Sie versprechen allen, die sich ihnen anschliessen und an Gott glauben, grosse Reichtümer. Basilius hatte Mühe mit solchen Überlegungen und folgert logisch: «Wenn du sagst, das sei dir von Gott gegeben, ist dann Gott etwa ungerecht, dass er die Güter so ungleich verteilt hat?» Wirklich eine gute Frage!
- Basilius erklärt dann den Grundsatz, den anderthalb Jahrtausende später die katholische Soziallehre entwickelt hat: Nämlich: «Eigentum verpflichtet.» Oder eben mit den Worten des grossen Kirchenlehrers: «Warum hast du Überfluss, während der andere betteln muss – wenn nicht deswegen, damit du Verdienste erwirbst, indem du schenkst …? Bist du nicht ein Räuber, wenn du als dein Eigentum beanspruchst, was dir zum Verschenken gegeben wurde? Es ist das Brot des Hungrigen, das du aufhebst, es ist das Kleid des Nackten, das du im Zimmer bewahrst.» Dazu eine aktuelle Bemerkung: Gerade in den letzten Wochen und Monaten durften wir erleben, wie viele Menschen nach diesem Grundsatz gelebt haben. Ich denke da an jene, welche ihre Schränke geöffnet und massenweise Kleider für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt haben.
Man kann also aufgrund des heutigen Evangeliums über die Problematik des Reichtums predigen. Ich habe es kurz getan, indem ich vor allem Worte eines grossen Kirchenlehrers gebraucht habe. Lassen Sie mich noch einen andern Gedanken anfügen. Er tönt banal, ist aber im Leben sehr grundlegend, nämlich: «Materieller Reichtum – oder sagen wir – Geld ist nicht das Wichtigste im Leben.
Nein, ich will das Geld nicht verteufeln. Ohne es ist heute ein Überleben nicht möglich. Wenn ich auf eine Reise gehe, sage ich mir oft: «Vielleicht habe ich etwas vergessen. Aber ich habe ja Geld bei mir und könnte das Nötige, das ich zuhause liess, kaufen.» Aber eben: Was tatsächlich wichtig ist, lässt sich nicht kaufen. Auch dazu ein Zitat, diesmal von einer zeitgenössischen Theologin und Dichterin, von Andrea Schwarz:
«das wirklich Wichtige lässt sich auch
mit noch so viel Geld nicht kaufen
Gesundheit zum Beispiel
Freundschaft und Liebe
der frohe Gesang der Amsel am Abend
der rotglühende Sonnenaufgang
das Lächeln des Freundes
die rücksichtsvolle Geste des Nachbarn
das zarte Grün des Frühlings
die bunten Farben des Herbstes
die schmale Sichel des Mondes»
Ja, dies alles und vieles mehr kann man auch mit sehr viel Geld nicht kaufen. Trotzdem, es gibt Leute, die es versuchen. Ein trauriges Beispiel habe ich vor vielen Jahren in einem Luzerner Restaurant erlebt. Neben mir sass ganz allein ein alter Mann, der in seinen besten Jahren einflussreicher Politiker war und mit seinem Geschäft schweizweit Millionen um Millionen verdient hatte. Als er bezahlte, gab er der Servierfrau einen Franken Trinkgeld und frage sie: «Schenken Sie mir dafür ein Lächeln.» Offenbar war der Mann trotz seines vielen Geldes einsam und ohne Liebe. (….)
Luzern, Elisabethenheim: Sa 16.30; Stans St. Klara 9.30 und Pflegeheim Nägeligasse 10.40
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.



